Genau so stellen sich junge deutsche Basketballtalente idealerweise ihre Karriere vor: Zuerst in einer Stadt mit großer Basketballtradition aufgewachsen – bei ihm war das Heidelberg. Dann den Schritt zu einem BBL-Klub geschafft, der einen fordert, fördert und mit Spielzeit belohnt. In seinem Fall hieß dieser Klub FRAPORT SKYLINERS, wo er sich darüber hinaus rasch zum Leistungsträger entwickelte. Und letztendlich von einem großen „B“ unter Vertrag genommen werden. Einzig die NBA fehlt noch in einem solchen Werdegang. Sein Name? Danilo Barthel. Sein Verein? Der FC Bayern München Basketball.

Ein Heidelberger Turner

Danilo, wird man als gebürtiger Heidelberger an einem solchen Basketball-Traditionsstandort eher Basketballer als Fußballer?

Definitiv hat Basketball in Heidelberg einen höheren Stellenwert als Fußball. Inzwischen gibt es aber in meiner Geburtsstadt ein breit gefächertes Sportangebot. Bevor ich allerdings zum Basketball kam, turnte ich im Verein.




Wann war für dich klar, dass du mit Basketball dein Geld verdienen wirst?

Ein Traum war das für mich schon immer. Dass dieser auch Realität werden kann, spürte ich durch eine Einladung zur U18-Nationalmannschaft. Ich realisierte, dass ich zu den besten Spielern meines Jahrgangs gehörte.

Welche Personen haben deine Karriere entscheidend beeinflusst?

Da gibt es eine Person aus meiner Jugendzeit, die ich nennen muss: Alexander Schönhals aus Heidelberg, der mich von der U12 bis zur Jugendnationalmannschaft in unzähligen Einheiten, auch im Individualtraining, begleitet hat.

Von der Basketballstadt Heidelberg bist du 2011 nach Frankfurt gewechselt. Wieso ist dieser Standort für deutsche Talente so attraktiv?

Konsti Klein, Joe Voigtmann und ich haben in Frankfurt den Durchbruch geschafft. Ich glaube, dass dies vielen Talenten Mut macht. Wir betonen auch in Gesprächen immer wieder die guten Voraussetzungen, wie zum Beispiel die Trainingsmöglichkeiten. Und man bekommt schließlich auch eine ehrliche Chance auf Spielzeit in der Bundesliga, wenn man tagtäglich hart an sich arbeitet.

2014 warst du für die Miami Heat in der NBA Summer League auf dem Parkett. Liebäugelst du mit dem Sprung in die NBA – genauso wie dein ehemaliger Heidelberger und Münchner Teamkollege Paul Zipser?

Die NBA ist für jeden Spieler das Größte. Ich arbeite jeden Tag hart, um auf das höchst mögliche Niveau zu kommen. Ob es schließlich für die beste Basketballliga der Welt reicht, wird man sehen.

Aus Vergangenem lernen

Du hast mit einer starken Frankfurter Mannschaft 2016 den FIBA Europe Cup gewonnen. Deine Mitspieler waren Aaron Doornekamp (Valencia), Jordan Theodore (Mailand) oder auch Joe Voigtmann (Vitoria). Wie gut bist du mit den Jungs noch in Kontakt?

Natürlich stehen wir in Kontakt, schreiben ab und an und verfolgen die Spiele der ehemaligen Kollegen. Wir waren eine tolle Truppe. Das sieht man auch daran, wo die einzelnen Spieler jetzt unter Vertrag stehen.

2016 führte dein Weg nach München. War dies der nächste logische Schritt?

Für mich war der Wechsel zum FC Bayern der nächste logische Schritt auf der Karriereleiter, um in Deutschland und vor allem international auf ein höheres Niveau zu kommen.




Was war der größte Unterschied als du von Frankfurt in die bayrische Landeshauptstadt gewechselt bist?

Hier in München ist die Organisation viel breiter aufgestellt. Für jeden Bereich gibt es mehrere Leute, die uns richtig gut betreuen. Und natürlich ist die Energie in jeder Trainingseinheit deutlich höher aufgrund der Qualität jedes einzelnen Spielers.

Ihr seid lange Zeit souverän durch die Liga marschiert. Zuletzt gab es aber auch Niederlagen gegen ALBA und in Oldenburg. Wie erklärst du dir das?

Wir hatten turbulente Wochen mit der Doppelbelastung durch Bundesliga und EuroCup mit bis zu vier Spielen pro Woche. Dazu kamen natürlich noch Verletzungen, die auch wir nicht problemlos kompensieren können. Irgendwann bist du als Spieler aber auch etwas müde. Hinzu kommt noch, dass sich die Gegner in der Bundesliga eine komplette Woche auf uns einstellen konnten. Durch den Trainerwechsel wurde es im Umfeld anfangs zusätzlich noch etwas unruhig. Aber all das dürfen keine Ausreden sein und wir müssen aus dem Vergangenen lernen.

Nicht unbedingt gegen Bamberg

Danilo, der FC Bayern Basketball ist Tabellenführer in der BBL, deutscher Pokalsieger und im EuroCup im Halbfinale gegen Darussafaka mit einem übermenschlichen Scottie Wilbekin nur knapp gescheitert. Wie sehr hat dich der Trainerwechsel von Djordjevic zu Radonjic überrascht?

Natürlich kam der Trainerwechsel zu diesem Zeitpunkt etwas überraschend. Über andere Themen möchte ich mich nicht äußern, denn das ist nicht meine Aufgabe. Ich möchte dem Team helfen, erfolgreich zu sein und dafür gebe ich jeden Tag mein Bestes.

Hat sich unter Coach Radonjic schon etwas geändert?

Die Trainingsintensität hat in den ersten Tagen zugenommen und er legt seines Fokus sehr auf die Defense. Das sind beispielweise Kleinigkeiten in der Abstimmung, aber ansonsten hat sich nicht viel geändert.

Nun stehen bald die Play-offs an. Euer Ziel ist ganz klar die Meisterschaft. Wer wird euer größter Konkurrent werden und hast du einen Wunschgegner?

Wir wollen zuerst Platz 1 in der Liga verteidigen. In den Play-offs gibt es acht sehr gute Mannschaften, die alle schwer zu bespielen sind. Natürlich muss Bamberg nicht unbedingt der Gegner im Viertelfinale sein. Aber wenn man deutscher Meister werden will, muss man jeden Gegner schlagen.

Danilo Barthel

Danilo Barthel ist auch Leistungsträger in der Nationalmannschaft (Foto: Stefan Puchner/dpa)

Danilo über Luke Sikma

Seit 2016 stehst du in München unter Vertrag und bist inzwischen Leistungsträger. Wenn ihr nächstes Jahr nicht in der EuroLeague spielen solltet, bist du trotzdem noch bei den Bayern?

Damit beschäftige ich mich erst nach dieser Saison im Sommer. Ich möchte in dieser Saison mit dem Team so erfolgreich wie möglich sein und am Ende das nationale Double erreicht haben.

Danilo, mit 26 Jahren bist du noch nicht am Zenit deiner Karriere angelangt. Welche Ziele hast du noch?

Als Spieler möchte man Titel gewinnen. Am liebsten mit dem FC Bayern auch international und mit der Nationalmannschaft. Zusätzlich möchte ich auf jeden Fall noch EuroLeague spielen.

Du wirst oft als bester deutscher Spieler in der BBL bezeichnet. Teilst du diese Aussage?

Mit meinem kompletten Paket gehöre ich wohl zu den besten. Schließlich habe ich dies durch meine Leistungen national und international in den letzten Monaten und Jahren auch bestätigt. Ob ich der beste deutsche Spieler bin, möchte ich nicht beurteilen.

Wer ist deiner Meinung nach aktuell der beste Spieler der easyCredit Basketball Bundesliga?

Auch wenn es die Statistiken nicht widergeben, haben wir viele verdammt gute Spieler in unserer Mannschaft. Allen voran Reggie Redding oder auch Maik Zirbes. Nichtsdestotrotz muss ich hier Luke Sikma von ALBA Berlin nennen, der eine fantastische Saison mit guten Statistiken abliefert.

Geheimfavorit Deutschland?

Mit der Nationalmannschaft tretet ihr in der WM-Qualifikation souverän auf, habt sogar Serbien geschlagen. Was macht diese Truppe so besonders und was kann man mit ihr erreichen?

Unser Vorteil ist, dass wir inzwischen sehr breit aufgestellt sind und viele Talente nachkommen. Wir haben bereits bei der letzten Europameisterschaft gesehen, dass wir zukünftig sehr viel erreichen können.




Wie siehst du allgemein die Entwicklung des deutschen Basketballs? So viele Teams sind nicht stärker in Europa. Seid ihr bei der nächsten EM schon ein Favorit?

Ich würde uns als einen Geheimfavoriten bezeichnen. Wir haben inzwischen einige Spieler, die auf europäischem Topniveau spielen. Wenn wir eingespielt sind, können wir durchaus um eine Medaille mitspielen. Allerdings gibt es einige Nationen, die aktuell noch höhere Ansprüche als wir haben.

Die Fußballer sind das Aushängeschild des FC Bayern München und werden es auch noch lange Zeit sein. Ihr besucht gegenseitig regelmäßig die Spiele. Kennt ihr euch auch untereinander?

Einige Spieler haben Kontakt, ich jedoch nicht. Dies ist auch nicht immer so einfach, denn sowohl die Fußballer als auch wir haben viele Spiele und sind häufig unterwegs.

München ist eine sehr große Stadt, da steht Basketball nicht immer an erster Stelle. Wie oft wirst du trotzdem auf der Straße erkannt?

Das hält sich im Rahmen. Natürlich erkennen mich einige Leute, aber nicht so viele wie in Frankfurt. Als Basketballspieler kann man aber in der Öffentlichkeit schon noch ganz gut entspannen.

Und was sind deine Lieblingsplätze in der Landeshauptstadt?

Rund um den Englischen Garten gefällt es mir sehr gut. Am liebsten entspanne ich in der Sonne irgendwo an der Isar und kann so am besten vom Basketball abschalten.

Und zum Schluss: Wie lautet die „All-Time-Mitspieler Starting 5“ des Danilo Barthel?

Jordan Theodore – Reggie Redding – Quantez Robertson – Johannes Voigtmann – Danilo Barthel

Vielen Dank für das angenehme Interview.

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