Was genau macht einen BBL-Verein eigentlich aus? Der Erfolg auf dem Spielfeld und ein gesundes unternehmerisches Wirtschaften? Etwa das Schaffen von Identifikationsfiguren und ein nachhaltiges Jugendförderkonzept? Oder doch die tolle Arena, ein modernes Trainingszentrum und ein erfahrenes Trainerteam? Sicherlich von allem ein bisschen. Aber eines sollte man nicht vergessen: Die Fans. Sie sind diejenigen, die ihrem Verein Leben einhauchen. Sie lassen Heimspiele zu Festspiele werden und bringen das Herz eines Basketballstandorts zum Schlagen. So auch in Weißenfels, wo der Fanclub Alphawölfe den Mitteldeutschen BC unterstützt.

Fanclub bedeutet Heimat

Doch dieser Fanclub stellt nicht die einzige organisierte Anhängerschaft der Sachsen-Anhalter dar: „Wir haben 2 Fanclubs. Zum einen „Das Rudel e.V.“, gegründet im Jahr 2000. Und zum anderen die „Alphawölfe e.V.“, die gibt es seit 2009. Außerdem gibt es seit gut zwei Jahren eine weitere Gruppierung, die „Wolfpack Supporters“. Allerdings ist das kein offizieller Fanclub“, schildert Tobias Schlegel. Er wurde im Sommer 2017 bereits zum zweiten Mal Mitglied bei den Alphawölfen. Zum zweiten Mal? Richtig gelesen! Denn von 2012 bis 2014 war er erstmals dort aktiv. Dann allerdings zwang ihn sein Job dazu, etwas kürzer zu treten. Nun hat er durch seine neue Arbeitsstelle wieder etwas mehr Luft – und prompt ist er zum Basketball, seinen Wölfen und dem Fanclub zurückgekehrt.

Wieso er diese Entscheidung getroffen hat, ist leicht zu verstehen. Denn gerade stehe ich am Tag der Deutschen Einheit vor dem Gästeblock in der Oberfrankenhalle im oberfränkischen Bayreuth. Hier beginnt in wenigen Minuten das sogenannte „A9-Derby“. Das letztjährige Überraschungsteam aus Bayreuth empfängt den MBC. Die Stimmung bei den Wölfe-Fans ist einfach fantastisch. Außerdem haben sich die Alphawölfe für diesen Feiertag etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Die Anhänger sind im Outfit der 90er Jahre in die Halle gekommen und stimmen lautstark ihre typische Gesänge an. Das ist es, was Tobias Schlegel so sehr motiviert: „Die Aktion zum Tag der Deutschen Einheit haben wir einfach mal publiziert. Und wie man sieht, wurde diese ganz gut angenommen.“

Fanclub Alphawölfe

Tobias Schlegel (links) und Jens (rechts) vor dem MBC-Fanblock

Mehr als nur Support in der Halle

Aber wer denkt, ein Fanclub sei nur aufgrund der tollen Unterstützung bei Spielen für einen Bundesligaverein unverzichtbar, liegt falsch. Das Engagement der Alphawölfe fängt bei vermeintlich kleinen Dingen an: „Wir kümmern uns vorwiegend um die Organisation und die Durchführung von Auswärtsfahrten. Dabei müssen meistens Kleinbusse, manchmal jedoch auch große Reisebusse gebucht werden. Das tun wir für alle Fans. Größere Resonanz haben die Auswärtsfahrten nach Göttingen, Berlin oder auch Bayreuth“, erklärt Tobias.

„Darüberhinaus verrichten wir selbstverständlich ehrentamtlich den Parkplatzdienst bei den Heimspielen. Dafür stellen wir zwei Kassierer und drei Einweiser. Ein Parkplatz kostet drei Euro, wovon 1,50€ die Stadt und 1,50€ der MBC-Nachwuchs erhält. Das Modell existiert in dieser Art seit knapp sechs Jahren“. Nicht nur das zeigt, dass mehr als der spektakuläre Profisport unterstützt wird: „Außerdem gibt es ein Mal im Jahr ein kleines Basketballturnier für Jugendmannschaften, bei dem wir das Catering übernehmen. Der Erlös daraus kommt dann dem Nachwuchs zugute“. Und mal ehrlich – was wäre die Bundesliga ohne Identifikationsfiguren, die aus dem eigenen Talentschuppen entspringen? Was wäre sie ohne einen Benjamin Lischka in Gießen, unbekümmerte Jungs in Ulm oder nun einen Tim Schneider in Berlin?

Einsatz über den Basketball hinaus

Sie wäre gewiss nicht so viel wert! Klar wollen die Zuschauer ihr Team siegen sehen. Deswegen braucht es zweifelsohne auch gute Importspieler. Diese tragen schließlich dazu bei, dass die Qualität der Spiele von Jahr zu Jahr ein höheres Level erreicht. Aber denkt daran, was in der Halle los ist, wenn ein Spieler aus dem eigenen Nachwuchs das erste Mal heimisches Parkett betritt: Ein Gänsehaut-Moment!

Mich berührt heute auch noch eine andere Sache, der sich die Alphawölfe annehmen: „Wir sind zusätzlich gemeinnützig tätig – über den Basketball hinaus. Wir starten viele soziale Projekte: Zum Beispiel haben wir letztes Jahr Doppelhalter von den MBC-Spielern gemalt, die wir unterschreiben lassen und anschließend versteigert haben. Der Erlös kam dann karitativen Einrichtungen zugute“. Ein Fanclub kann für einen BBL-Klub und dessen Umfeld also mehr sein. Mehr als nur ein normaler Fanclub.

zum Interview mit Johannes Lischka

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