Als er kam, war sein Verein zweitklassig. Doch machte man seitdem einen erstklassigen Job und traf die richtigen Entscheidungen. Deshalb zählt mittlerweile nicht nur er zu den Konstanten, sondern unter anderem auch der Geschäftsführer und der Trainerstab. Der Lohn dafür? Eine erfolgreiche zurückliegende Spielzeit in Deutschlands höchster Spielklasse, wobei man sogar bis kurz vor Ende der Saison an den Playoffs kratzte. Welche Ziele Julius Wolf in Zukunft mit Science City Jena erreichen will, erzählt er im exklusiven Interview.

Karriere ohne College

Julius, du bist gebürtiger Schwabe, jedoch in Niedersachsen aufgewachsen. Welcher Region fühlst du dich eher hingezogen?

Schwer zu sagen, aber eigentlich ist Göttingen meine Heimat, da meine Eltern und Großeltern dort leben. An meinen Geburtsort Bruchsal habe ich keine all zu großen Erinnerungen, da wir umgezogen sind als ich fünf Jahre alt war.




Gab es in deiner Kindheit etwas anderes als Basketball? Schließlich spielten deine Eltern beide auf Leistungsniveau.

In meiner Jugend spielte ich noch Fußball. Nach einer unglücklichen Aktion meines Fußballtrainers entschied ich mich, mit zwölf Jahren gegen den Fußball und für den Basketball.

Dein älterer Bruder Enosch (aktuell bei Tübingen in der ProA) ging ans College. Wäre dies für dich auch ein denkbarer Weg gewesen?

Natürlich dachte ich über diesen Schritt nach, da ich an der Urspringschule in Ehingen war. Von dort aus schlugen etliche Spieler diesen Weg ein. Nach einigen Überlegungen war für mich allerdings klar, dass ich dies keine Option für mich darstellt. Schließlich werden an vielen Colleges athletische, schnelle Spieler ausgebildet, was jedoch nicht meine Stärke ist. Dann wirst du schnell als reiner Shooter abgestempelt. Von daher wollte ich meinen Weg in Deutschland fortsetzen.

Julius, würdest du deinen Werdegang einem Nachwuchsspieler ans Herz legen oder würdest du zurückblickend andere Entscheidungen treffen?

Mein Weg war für mich definitiv der richtige. Aber das kann man nicht pauschal sagen. Es gibt auch Colleges, an denen weniger athletische Spieler super ausgebildet werden. Der große Vorteil am College ist, dass du es mit einem Hochschulabschluss verlässt, was vor allem für die Zeit nach der aktiven Karriere sehr wichtig ist. Aber der deutsche Basketball hat sich in den letzten Jahren enorm entwickelt. Man sieht, dass junge Talente in ProA und ProB schon Verantwortung übernehmen dürfen und dadurch hervorragend an die Bundesliga herangeführt werden.

Der große Sprung zu Science City

Über Ehingen hast du den Sprung in den Profibereich geschafft. Was hast du dir vom Wechsel zum FC Bayern Basketball versprochen?

Ich ging mit meinem Jugendtrainer Felix Czerny nach München, weil ich nach meinem Abitur höherklassig spielen wollte. In der Regionalliga konnte ich mich auch weiterentwickeln. Leider verletzte ich mich während der Vorbereitung und konnte somit nur wenig Erfahrungen bei den Profis sammeln. Schließlich wechselte der FC Bayern Basketball in dieser Saison noch zweimal den Trainer, so dass es für mich noch schwerer wurde, Fuß zu fassen. Ein weiterer wichtiger Aspekt war mein Freiwilliges Soziales Jahr in München: Ich wollte hinter die Kulissen blicken, um das Basketballgeschäft besser zu verstehen und mich auf meine Zeit nach der aktiven Karriere vorzubereiten. Zurückblickend kann ich sagen, dass ich in diesem Jahr sehr viel gelernt habe und diesen Schritt in keinster Weise bereue.

Danach holte dich Björn Harmsen 2013 nach Jena. Wie war der Sprung von der Regionalliga in die ProA?

In der Regionalliga spielst du hauptsächlich gegen junge Talente bzw. alte Hasen, welche die Jungspunde führen sollen. Es war ein großer Sprung hin zur zweiten Bundesliga. Aber es war von Beginn an alles durchgeplant. In der ersten Saison sollte ich mich an das Niveau der ProA herantasten. Trotz eines Handbruchs konnte ich mich in der Truppe gut etablieren.

Bei Science City Jena schenkte dir Coach Harmsen von Anfang an viel Vertrauen. Spürt man das als Spieler?

Bevor ich nach Jena wechselte, hatte ich auch einige Angebote anderer Vereine. Allerdings telefonierte ich öfters und lange mit Björn Harmsen und merkte sofort, dass er mich kannte und weiß, welcher Spielertyp ich bin. Er schenkte mir ab dem ersten Tag sein Vertrauen und es ist nach wie vor jeden Tag zu spüren. Das ist das Beste, was dir als Spieler passieren kann.

Gänsehautmomente für Julius Wolf

Bedingt durch langwierige Rückenprobleme musstest du viele Spiele pausieren. Wie konntest du dich Tag für Tag motivieren, um wieder der alte Julius Wolf zu werden?

Das ist wie eine Berg- und Talfahrt. Anfangs ist es ernüchternd, weil du weißt, dass du für eine gewisse Zeit raus bist. Dann bist du motiviert, weil du wieder anfangen kannst, Gas zu geben. Du nimmst Woche für Woche die Fortschritte wahr. Und kurz vor Ende der Verletzungsphase kommt wieder ein Tal. Du denkst, dass du wieder kannst, aber merkst, dass es noch nicht vollständig geht. Das war wirklich keine einfache Phase für mich.

Schließlich folgte im März 2018 dein Career-High mit 14 Punkten gegen medi bayreuth. Wie fühlt es sich an, wenn man wieder auf dem Court steht und schmerzfrei Gas geben kann?

Das fühlt sich schon super an. Auch wenn ich noch Schwankungen in meinen Leistungen nach der langen Verletzungspause hatte, überwiegen doch die schönen Momente. Vor allem die Unterstützung der Fans, wenn sie dein Comeback feiern – das waren Gänsehautmomente.




Du hast inzwischen fünf Spielzeiten bei Science City Jena verbracht. Was hat sich seitdem aus Spielersicht verändert?

Als ich nach Jena kam, spielten wir noch in der alten Halle in Lobeda und die Sparkassenarena war erst in Planung. Schließlich bekamen wir unsere eigene Arena und die Trainingshalle wurde gebaut, so dass auch unsere Nachwuchsteams nahezu rund um die Uhr trainieren können. Und zu guter letzt folgte der Zwischenbau von Arena zu Trainingshalle, mit Büroräumen von Science City Jena und einer Praxis unseres ehemaligen Physiotherapeuten. Hier hat sich schon sehr viel bewegt: Von der Infratrukur gesehen ist Science City vom guten Zweitligaverein zu einem der besseren Erstligavereine geworden.

Mit Jena überraschen!

Und verantwortlich für diesen positiven Wandel waren verschiedene Konstanten.

Ja, die ganze Stadt, die ganze Organisation. Die Veränderungen waren allesamt langfristig geplant und es wurden keine Schnellschüsse gemacht. Allen voran natürlich muss man unseren Geschäftsführer Lars Eberlein, Björn Harmsen und unseren Co-Trainer Stephan Frost, aber auch viele Personen im Office nennen. Alle verfolgten den gleichen Plan, auch die Sponsoren trugen dieses Konzept. Es gibt in Jena nicht diesen einen großen Sponsor, der irgendwann „Tschüss“ sagt. Der Basketballstandort Jena lebt von den vielen kleineren Sponsoren aus dem Umland und der Stadt selbst. Inzwischen kann man die Früchte dieser Zielstrebigkeit und Kontinuität ernten.

Julius, was rechnest du dir für die kommende Saison aus bzw. was wünschst du dir?

Die Leistung dieser Saison zu bestätigen oder sogar zu verbessern. Die Playoffs wären auch für unsere Fans der Hit. Wir hatten in dieser Saison einige knappe Niederlagen. Wenn diese Spiele etwas anders gelaufen wären, hätten wir auch an der Tür zu den Playoffs angeklopft. Primäres Ziel wird aber auch in der kommenden Saison eindeutig der Klassenerhalt sein. Vielleicht überstehen wir durch den neuen Pokalmodus auch die ein oder andere Runde und können dort überraschen. Für uns wird aber auf jeden Fall die Kontinuität zu Beginn der Saison sprechen, da wir bereits sieben Spieler des Kaders der vergangenen Saison weiterhin in Jena sehen werden.

Mit 25 Jahren bist du noch lange nicht am Zenit deiner Karriere angekommen. Welche Ziele willst du noch erreichen?

Ich fühle mich in Jena pudelwohl. Ich möchte auf jeden Fall einmal in einem internationalen Wettbewerb spielen. Vielleicht gelingt uns dies mit Science City in den nächsten Jahren.

Im Paradies und bei Fritz Mitte

Wie würde die Julius Wolf All-time Starting Five ausschauen?

Schwere Frage… mein Team würde folgendermaßen ausschauen: Mario Blessing, Wayne Bernard, Paul Zipser, Julius Wolf und Guido Grünheid.

Julius Jenkins, Derrick Allen und Immanuel McElroy lasse ich bewusst außen vor, denn diese haben eh Legendenstatus.

Was sind deine Lieblingsplätze in und um Jena?

Auf jeden Fall Fritz Mitte, dort gönne ich mir gerne eine leckere Currywurst mit den verschiedenen Mayonaissesorten. Oder das Paradies, ein schöner Park direkt in der Stadt. Hier gehe ich im Sommer gerne baden und kann richtig gut abschalten. Aber Jena hat viele schöne Ecken, dazu zählt auch die Innenstadt. Ich sage immer: Jena ist klein, aber fein.

Julius, wenn du nicht professionell Basketball spielen würdest, was wärst du dann?

Wahrscheinlich wäre ich Physiotherapeut geworden. Nebenbei bin ich seit einigen Jahren Jugendtrainer in Jena. Aktuell betreue ich die U12 und bin Co-Trainer der U14. Ich könnte mir das Trainergeschäft als Plan B durchaus vorstellen. Aber momentan konzentriere ich mich einzig und allein auf den Profisport als aktiver Basketballer.

Und wie verbringst du die aktuelle Off-Season?

Durch meine Rückenverletzung mache ich noch viel Aufbautraining. Ansonsten spiele ich gerne mit Freunden Fußball oder besuche Familie und Freunde. Natürlich unternehme ich auch viel mit meiner Freundin und fasse mal keinen Basketball an.

Möchtest du den Fans von Science City etwas mit auf den Weg geben?

Bleibt einfach so, wie ihr seid! Ihr macht einen super Job, steht auch bei Niederlagen immer hinter uns. Wir möchten es euch auch in der kommenden Saison mit vielen Siegen zurückzahlen.

Besten Dank für das offene Gespräch.

04.06.2018

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