Er steht sinnbildlich für den erfolgreichen Ludwigsburger Basketball. Denn wenn auf einen Spieler der BBL Attribute wie „gallig“, „aggressiv“ oder „defensivstark“ zutreffen, dann in erster Linie auf ihn. Die Rede ist von David McCray, dem Musterprofi schlechthin in Reihen von Coach John Patrick. Warum er sich diese Art des Spielens aneignete und nun jeden Tag seinen Kollegen vorlebt? Findet es heraus!

Der Musterprofi Derrick Allen

David, in deiner Jugend war Fußball deine Sportart. Warum hat dich deine Mama dann in ein Basketballcamp geschickt?

Ich habe früher immer mal wieder mit Freunden auf dem Freiplatz Basketball gespielt, was mir auch Spaß gemacht hat. Für mich war Fußball aber schon die Sportart Nummer eins. Aber dann gab es im Sommer ein Angebot von einem Basketballcamp. Mein Bruder und ich waren in der Schule in der Basketball-AG und unser Trainer dort meinte, dass wir doch mal zum Camp kommen sollten, um uns das anzuschauen und um zu sehen, ob uns das gefällt. Wir sind dann zu diesem Camp gegangen und haben danach beide angefangen Basketball zu spielen.




2004 gabst du dein Debüt in der Beletage Deutschlands. An der Seite war bspw. Derrick Allen. Was kann ein junger Spieler sich von solchen Spielern abschauen?

Von Derrick habe ich extrem viel gelernt, vor allem die Arbeitseinstellung, die er hat und wie er sich auf jede Saison bzw. jedes Spiel vorbereitet. Auch heute ist das noch so, wenn man mal beobachtet, wie er sich warm macht oder wie hart er jedes Spiel spielt. Er ist ein richtiger Muster-Profi und ich wollte mich an ihm orientieren. Schon allein um zu lernen, was es heißt ein Profi zu sein. Das sind auch einfache Dinge, beispielsweise wie ich mich ernähre. Dass ich eben nicht zu Burger King oder McDonalds gehe oder mich gut auf das Training vorbereite und nicht den ganzen Tag nur „rumgammel“. Ich habe wirklich sehr viel von ihm gelernt und habe ihm viel zu verdanken.

Wie läuft ein normaler Trainingstag bei dir ab?

Nach dem Training esse ich zuhause etwas Gutes. Danach lege ich mich mit meinen Kindern etwas hin und schlafe. Auch sonst versuche ich, viel Zeit mit meinen Kindern zu verbringen. Und dann steht auch schon das nächste Training an.

Gab es für David McCray ein konkretes Vorbild, dem er nachgeeifert hast?

Als aktiver Spieler habe ich mich immer sehr an Derrick Allen orientiert und auch an Dominic Jones, mit dem ich damals in Karlsruhe und auch in Ludwigsburg zusammengespielt habe. Aber man hat natürlich auch in der NBA  seine Idole. Als ich anfing war es erst Michael Jordan, später dann Allen Iverson und Kobe Bryant.

„Früher war es schwerer, als Deutscher Minuten zu bekommen“

Als galliger Spieler in der Defense und als Anführer auf dem Court hast du deine Rolle gefunden. Lag das immer schon in deiner Natur?

Zu Beginn meiner Profikarriere gab es in der Bundesliga keine Ausländerbegrenzung. Als ich damals aus dem Jugendprogramm hochgekommen bin, musste man sich irgendwie seine Spielzeit erarbeiten. Das ging damals nur, wenn du einfach alles auf dem Feld gegeben hast und hart verteidigt hast. Spielzeit für deutsche Spieler war damals nicht so selbstverständlich wie heute. Ich bin dann natürlich dabei geblieben und habe mir diesen Ruf auch aufgebaut.

Mit diesem Spielstil passt du allgemein gut zur Philosophie von Coach John Patrick. Ist es also kein Zufall, dass ihr schon so lange Zeit zusammenarbeitet?

Er legt sehr viel Fokus auf die Werte, die ich auch habe, und die Art, durch die ich mich auszeichne. Das sind z.B. Teamgeist, aggressive Verteidigung, mannschaftsdienliches Spielen oder auch eine positive Lebenseinstellung. Das ist alles sehr wichtig in einer Mannschaft. Er weiß natürlich inzwischen auch, meine Stärken zu schätzen, welche perfekt zum Spielstil passen.

Ist er auch der Trainer, von dem du am meisten gelernt hast?

Ich muss sagen, dass ich von allen Trainern viel gelernt habe. Natürlich hatte ich in den letzten Jahren den größten Erfolg mit John Patrick. Aber auch in jungen Jahren hatte ich viele Trainer, von denen ich sehr viel mitnehmen konnte. Was mir immer wichtig war: Auch, wenn es nicht gut läuft, immer etwas zu lernen. Eigentlich habe ich wirklich von jedem Trainer profitiert, aber es gibt natürlich ein paar Trainer, welche dich mehr prägen als andere. Beispielsweise Tyron McCoy, der zwei Jahre mein Assistenztrainer und ein Jahr mein Head-Coach war. Doch ganz klar habe ich in den letzten Jahren sehr viel von John Patrick gelernt. Wir leben seinen Basketball in Ludwigsburg hier als Verein und Team und haben wirklich Erfolg damit. Das zeigt einfach nur, dass man mit harter, ehrlicher Arbeit und Teamgeist Erfolg haben kann.

David, wie siehst du deine Rolle auf dem Feld? Auch als rechte Hand von John Patrick?

Natürlich. Ich bin nicht der Aufbauspieler, der den Ball am meisten in der Hand hält. Aber in der Verteidigung gebe ich den Ton an. Wenn ich beispielsweise der Erste bin, der aggressiv verteidigt, haben meine Mitspieler keine andere Wahl, außer mitzumachen. Sonst sehen sie ja dumm aus. Aber ich kenne auch die Spielsysteme sehr gut, da ich mittlerweile schon in meiner vierten Saison in Ludwigsburg bin. Diese Systeme gebe ich an die neuen Spieler weiter, indem ich sie ihnen tagtäglich vorlebe.

David McCray: „Wer kannte Thomas Walkup?“

2016 hat sich Bastian Doreth nach deinem D in Bayreuth schützend vor dich gestellt. Wie schwierig ist es, als Basketballer immer eine klare Linie zwischen gesundem Wettkampf auf dem Court und guter Kollegialität abseits des Feldes zu ziehen?

Eigentlich ist es nicht schwer, aber in diesem Augenblick irgendwie schon. Das war das erste Mal in meiner Karriere, dass ich bei einem Spiel rausgeflogen bin. Es lief damals nicht so gut für uns in diesem Spiel. Das soll aber alles keine Entschuldigung sein. So etwas darf nicht passieren. In diesem Augenblick sind mir leider die Sicherungen durchgebrannt. Zuerst möchte ich Basti danken, dass er mich in der Presse so in Schutz genommen hat. Ich habe mich danach aber natürlich auch selbstverständlich bei De‘Mon Brooks und den Zuschauern entschuldigt. Das war eine unschöne Situation und wird einem David McCray auch nicht noch einmal passieren.

David verteidigt De`Mon Brooks mit fairen Mitteln (Quelle: www.championsleague.basketball)

David verteidigt De`Mon Brooks mit fairen Mitteln (Quelle: www.championsleague.basketball)

John Patricks Stil mit einer hohen Pressverteidigung ist schon immer unangenehme für die Gegner. Doch was hat euch speziell in der letzten Saison ausgezeichnet? Würdest du diese Saison als bisher beste deiner Karriere ansehen?

Es war definitv die bisher erfolgreichste Saison. Natürlich hätte ich persönlich ein bisschen besser spielen können, aber das kann man immer. Was uns ausgemacht hat, war unser Teamgeist. Wir hatten  mit Tom Walkup einen überragenden Spieler, aber auch jeder andere war in der Lage, in einem Spiel der Top-Scorer zu sein. Egal, ob Dwayne Evans, Justin Sears, Kerron Johnson, Elgin Cook oder auch Johannes Thiemann. Es hat uns wirklich ausgezeichnet, dass wir sehr ausgeglichen waren. Jeder hat hart verteidigt, mannschaftsdienlich und vor allem extrem schnell gespielt. Dadurch holten wir viele Steals und machten viele einfache Punkte.

David, ist es aus deiner Sicht von Vorteil oder eher nachteilig, dass ihr auf mehreren Hochzeiten tanzt? BBL, Champions League und Pokal?

Für den Rhythmus ist es sicherlich vorteilhaft. Du kannst Spielsituationen nicht so trainieren oder simulieren wie sie dann tatsächlich eintreten. Gegen Ende der Saison ist es aber eine sehr hohe Belastung. Wenn sich zusätzlich noch Spieler verletzen, dann kannst du es als Team kaum noch auffangen. Ich kenne aber keinen Spieler, der lieber trainiert als zu spielen. Es ist doch für jeden Menschen schöner, von den Fans angefeuert zu werden, als in der Trainingshalle schwitzen zu müssen.

Walkup, Evans, Thiemann, Cook. Namhafte Abgänge sind das Tribut einer solchen erfolgreichen Saison. Wie schwer treffen euch diese Abgänge?

Das werden wir erst noch sehen. Eines kann ich aber sagen: Unser Trainer macht eine überragende Arbeit, von daher wird er auch diesmal die passenden Spieler für unser System gefunden haben. Ich glaube nicht, dass letzte Saison viele Coaches einen Thomas Walkup auf dem Zettel hatten. Was dann kam, haben wir alle gesehen. Lassen wir uns also überraschen. Trotzdem wird es nicht einfach werden, denn bis auf Adam Waleskowski und mich wird es nur neue Gesichter in der Barockstadt geben.

Teamgeist – bei mir erster Stelle

David, wurdest du als Captain bei der Auswahl der Spielercharaktere auch um Rat gefragt bzw. aktiv mit einbezogen?

Wenn ich einen Spieler kenne, werde ich natürlich um Rat gefragt. Ansonsten ist das aber einzig und allein die Aufgabe des Coaches. Er macht dies seit Jahren überragend, holt auch Spieler aus der EuroLeague. Daher ist er auf meine Unterstützung nicht angewiesen.




Hattest du schon einen ersten Kontakt mit den Neuzugängen?

Ein paar Neuzugänge haben mich in den sozialen Netzwerken kontaktiert, um sich nach dem Verein oder der Stadt zu erkundigen. Wir freuen uns jetzt alle, dass es endlich losgeht. Zuerst gehen wir alle in der Vorbereitung den gemeinsamen Leidensweg. Dieser Weg schweißt zusammen und man lernt sich sehr schnell ziemlich gut kennen, auch abseits des Feldes. Schließlich sehe ich während der Saison meine Mitspieler öfters als meine Familie. Mein Sohn fragt in der Sommerpause immer, wann „seine neuen Freunde“ endlich kommen. Er weiß ganz genau, dass meine Mitspieler öfters bei uns daheim aufschlagen und wir mit ihnen auch viel unternehmen werden.

Als Leader ist es also deine Aufgabe, das neue Team zusammenzuführen. In der Vergangenheit hast du die Teamkameraden ja öfters schon zu dir nach Hause eingeladen.

Das ist für mich selbstverständlich. Zudem ist mein Sohn basketballverrückt. Daher passt es perfekt, wenn meine Kollegen bei uns daheim sind und wir gemeinsam grillen können. Zum einen stärkt es das Teamgefühl und zum anderen lernt mein Sohn die anderen Spieler besser kennen.

David mit Redakteur Jens

Apropos Privates: Inzwischen seid ihr zu viert und fühlt euch in Ludwigsburg sichtlich wohl. Was macht diesen Ort für euch genau aus? 

Wir sind seit 2007 bereits in Ludwigsburg. Meine Frau war 19 Jahre und machte ihre Ausbildung, ich war 20 Jahre und absolvierte noch meinen Zivildienst. Wir wurden hier richtig erwachsen und fühlen uns hier wie zuhause. Ludwigsburg ist eine sehr schöne Stadt, einerseits das Blühende Barock, andererseits auch der Marktplatz, wo wir uns gerne und lange aufhalten. Auch die Leute in der Stadt sind sehr angenehm. Sie sind sehr offen und freuen sich, wenn sie uns auf der Straße sehen und grüßen. Das ist nicht selbstverständlich und in Amerika sogar unüblich.

Du bist jetzt 32 Jahre. Wie lange kannst du dir noch aktiven Profi-Basketball vorstellen?

Die Frage bekomme ich in letzter Zeit öfter gestellt (lacht). Aktuell fühle ich mich noch sehr fit, deswegen will ich mir kein bestimmtes Limit setzen. Wenn man mich spielen sieht, denkt man auch noch nicht, dass ich schon 32 Jahre alt bin.

Zurückblickend auf deine bisherige Karriere – würdest du jetzt Entscheidungen anders treffen als du sie getan hast?

Von jedem Trainer habe ich ein bisschen etwas gelernt. Jede Entscheidung hat mich zu dem Spieler gemacht, der ich heute bin. Von daher bin ich sehr zufrieden und würde zurückblickend auch nichts ändern wollen.

Hast du Pläne, was du nach deiner Karriere machen möchtest?

Ja, ich würde sehr gerne Jugendtrainer sein. Das wäre eine wirklich reizvolle Aufgabe, weil ich auf diese Weise meine Erfahrungen – auch abseits des Courts – an Nachwuchsspieler weitergeben könnte.

David, deine Botschaft an die Fans der RIESEN für die kommende Saison lautet:

Ich will mich einfach nur bedanken. Die Unterstützung, die ich in den bereits neun Jahren erhalten habe, war immer etwas Besonderes für mich. Macht auch in der nächsten Saison genau so weiter!

Vielen Dank für das lockere Gespräch. (veröffentlicht am 14.08.2018)

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