Es ist ein eiskalter Wintertag. Wir warten in einem Café in Bayreuths Innenstadt auf unseren Gesprächspartner. Dann öffnet sich die Tür und er kommt herein – mit einem sehr warmen Lächeln. Der ehemalige Spielmacher von Steiner Bayreuth, den ich 1996 im Playoff-Viertelfinale Spiel 7 gegen Brandt Hagen bewundern durfte. Es war mein erstes Basketballspiel, das ich live verfolgen durfte. Anschließend gab er mir sogar ein „High Five“. Die Rede ist natürlich von Derrick Taylor, dem lebensfrohen und freundlichen Daddy Cool.

Die Sportskanone Derrick Taylor

Derrick, wie und wann kamst du genau zum Basketball?

Ich war noch sehr jung, vielleicht acht oder neun Jahre alt. Neben Basketball spielte ich auch American Football, Baseball und machte etwas Leichtathletik. In den Vereinigten Staaten willst du unbedingt in der Schulmannschaft spielen. Schließlich kam unser Basketballcoach zu mir und sagte: Wenn du aufs College gehst, konzentriere dich nur noch auf Basketball! Und da ich immer schon Profisportler werden wollte, wurde genau dort der Grundstein für meine Karriere gelegt.




Und warum wurde es nicht American Football?

Von Natur aus hatte ich für American Football deutlich mehr Talent, aber diese Sportart ist hauptsächlich für Biester. Diese Sportler sind der Wahnsinn. Unglaublich, welche Physis jeder Einzelne mitbringt.

Was waren die Gründe, warum du den Sprung in die NBA nicht geschafft hast, obwohl du in der CBA (vergleichbar mit der jetzigen G-League) einer der besten Spieler warst?

Ja, ich war sogar zweimaliger CBA-Allstar. Heutzutage schaffst du es mit sehr viel Talent als junger Spieler in die NBA. Damals waren aber fast ausschließlich erfahrene Männer gefragt. Zwar würde ich von den Indiana Pacers gedraftet. Diese hatte noch jedoch bereits junge, aufstrebende Spieler in ihren Reihen, z. B. Reggie Miller und Wayman Tisdale. Dann bist du mehr oder weniger chancenlos.

„Kinder brauchen feste Bezugspunkte und Stabilität.“

Warum verschlug es dich später während deiner Spielerkarriere immer wieder zurück nach Deutschland? Und warum hattest du hier mehr Erfolg als bei deinen Stationen in Italien oder auch Frankreich?

Hauptsächlich wegen meiner Frau und der Kinder. Meine Frau stammt aus Bayreuth und als David vor der Einschulung war, entschieden wir uns zurückzugehen. Wir hätten ihn auch auf internationale Schulen bringen können. Meiner Meinung nach benötigt ein Kind jedoch feste Bezugspunkte und Stabilität. Vorher wechselten wir nahezu jährlich das Land, die Wohnung und dadurch natürlich auch die Umgebung und die Kultur.

Der Publikumsliebling mit der Nummer 10

Nach einem Engagement in Breitengüßbach warst du Headcoach beim ambitionierten BBC Bayreuth in der zweiten Liga. Das klare Saisonziel Aufstieg konntest du mit der Truppe nicht realisieren. Daraufhin wurde dein Vertrag nicht verlängert. 

Das war eine harte Zeit für mich, denn Bayreuth ist zusätzlich noch meine Heimat. Wir hatten ein super Team und überragende Fans, aber am Ende waren wir punktgleich mit dem Zweiten Phoenix Hagen. Leider hatten wir den direkten Vergleich verloren, so dass Hagen nebem dem Meister aus Weißenfels aufstieg. Die Enttäuschung innerhalb des Vereins war verständlicherweise sehr groß und so musste ich dann meinen Hut nehmen. Das ist das Geschäft.

Dennoch genießt der Name Derrick Taylor in Bayreuth ein hohes Ansehen.

Das stimmt. Hier hatte ich meine erfolgreichste Zeit als Spieler. Zudem liebe ich die Stadt und die Leute. Ich fühle mich hier wirklich sehr wohl.

Nach einer Station beim Nürnberger BC warst du im Jugendbereich in Bayreuth engagiert. Was bevorzugst du: Talente zu fördern oder eine Herrenmannschaft zu trainieren?

Der Hauptgrund für das Coaching im Jugendbereich war mein Sohn David. Dazu kamen noch einige Freunde von ihm. Das hat wirklich Spaß gemacht und wir waren erfolgreich. Auch wenn wir mit 20 Punkten Unterschied gegen Bamberg verloren haben, war das damals absolut ein Fortschritt. Und am Ende konnten wir sie sogar einmal besiegen. Dann siehst du auch, dass das erste Ziel mit 13-jährigen Jungs erreicht ist.




Talente kann man innerhalb kürzester Zeit von 0 auf 50 bringen. Von 0 bis 100 ist es natürlich etwas anderes. Aber man sieht schnelle Fortschritte – beispielsweise beim Korbleger oder beim Passspiel. Als Proficoach musst du einen Spieler von 70 auf 75 bringen. Auch das ist eine tolle Erfahrung, wenn du merkst, dass das Spiel von deinem Team besser gelesen wird. Von daher kann ich schwer sagen, was ich lieber mache. Ich bin Basketballer, ich liebe dieses Spiel und kann mir es nicht nur anschauen, sondern analysiere sofort bestimmte Spielsituationen.

Derrick – bitte übernehmen Sie!

Diese Saison bist du als möglicher Retter beim PRO B Aufsteiger BBC Coburg eingestiegen. Warum?

Weil Derrick Taylor ein Basketballverrückter ist und helfen möchte. Keinesfalls wegen des Geldes oder der Presse. Zudem kenne ich viele Spieler aus meiner Zeit in Nürnberg bzw. noch aus der Jugend. Yasin Turan, Steffen Walde, Kevin Eichelsdörfer und noch einige andere. Diese Jungs haben alle Talent.

Wie schwer ist es für dich, dieses Team zu coachen, obwohl du es nicht zusammengestellt hast?

Natürlich ist es einfacher den Kader selbst zu planen. Uns fehlt in dieser Mannschaft etwas die Balance. Wir haben vier Pointguards und drei Center, dafür nur einen Power Forward. Von daher müssen wir viel arbeiten und ausprobieren, damit sich der Teamerfolg einstellt. Anfangs arbeitet man viel, um den Spielern Selbstvertrauen trotz Misserfolg zu vermitteln. Aber diese Herausforderung macht jeden Tag aufs Neue Spaß.

Derrick Taylor

Basketballherz traf Derrick Taylor auf einen Kaffee

Derrick, wo siehst du eure Stärken und wo besteht Verbesserungsbedarf? Ihr habt viele Spiele nur knapp verloren.

Meine Spieler müssen den Kopf frei bekommen, denn auf dem Parkett machen oft nur Kleinigkeiten den Unterschied. Beispielsweise spielen wir 18 Sekunden als Team eine fast perfekte Verteidigung und im letzten Moment macht ein Spieler einen Fehler, so dass der Gegner einen einfachen Korbleger machen kann.

Unser Vorteil liegt in der Ausgeglichenheit. Wir haben nicht den Top-Performer in der Liga, aber wir haben keinen großen Leistungsabfall innerhalb der zwölf Spieler. Und das wird am Ende den Ausschlag für uns geben, wenn sich jeder zu 100 Prozent in den Dienst der Mannschaft stellt und Eigeninteresse ausblenden kann.

Nun starten die PlayDowns. Spürst du einen besonderen Druck innerhalb eurer Organisation oder des Umfelds?

Ich mache mir selbst den meisten Druck. Unsere Organisation vertraut mir und dem Team. Wir möchten dieses Vertrauen gemeinsam zurückgeben – mit dem Klassenerhalt.

Der BBC Coburg investiert ungefähr ein Drittel des Etats in die Nachwuchsförderung. Verfolgt ihr einen langfristigen Plan, so dass euch ein Abstieg nicht aus der Bahn werfen würde?

Die Jugendabteilung ist von enormer Bedeutung. Zukünftig muss sogar noch mehr Geld in die Nachwuchsarbeit fließen. Ein Abstieg wäre sicherlich nicht gut für diese Sportart in Coburg, denn hier wurde in den letzten Jahren kontinuierlich etwas aufgebaut. Folglich würden die Sponsorengelder in einer niedrigeren, unattraktiveren Liga nicht steigen. Aber ich glaube fest an den Klassenerhalt. Der Basketballstandort Coburg hat noch viel Potential.

In den Fußstapfen des Vaters

Wie siehst du den Entwicklungsprozess bei deinem Sohn David, der aktuell in Erfurt in der BBL spielt?

Das Wichtigste für einen jungen Sportler ist die Gesundheit. Manchmal denke ich, dass David sogar zu fit ist und deswegen öfters angeschlagen ist. Zuerst ein Bauchmuskelriss, dann knickte er mit dem Fuß um. Diese Verletzungen sind nicht gut für seine Entwicklung und werfen ihn immer wieder ein kleines Stück zurück. Vom Talent ist er einer der besten deutschen Nachwuchsspieler, die es aktuell gibt. Aber er muss jetzt eine längere Zeit am Stück verletzungsfrei bleiben, damit er den nächsten Schritt machen kann.

Wo siehst du ihn in drei Jahren?

Wenn er gesund bleibt, kann er sich in ein paar Jahren zu einem der besten Guards in Deutschland entwickelt haben. Das Wichtigste stimmt auf jeden Fall: Der Kopf, die Einstellung und der Wille sind vorhanden. Jetzt muss er es nur umsetzen und fit bleiben.

Wie oft tauschen sich Sohn David und Papa Derrick bezüglich Basketball aus?

Ich habe viele Spiele am College – vor Ort in den USA – und auch jetzt in Gotha verfolgt. Aktuell schaue ich mir viele Spiele auf TelekomSport an. Schließlich will man als Elternteil seine Kinder bestmöglich unterstützen, obwohl ich keinen zu großen Druck auf meinen Sohn ausüben möchte. Dennoch bekommt er von mir Tipps, besonders hinsichtlich seiner Schnelligkeit, die er noch viel besser im Spiel einbringen muss.

Wäre es aus deiner Sicht von Vorteil, wenn er in der PRO A ein Führungsspieler ist anstatt in der easyCredit BBL nur wenig Spielzeit zu haben?

Ich denke, dass ein junger Spieler eine Führungsrolle innerhalb seiner Mannschaft einnehmen muss. Dabei lernst du schneller und mehr. Vor allem lernst du dabei, wie man ein Team besser macht. Es reicht als Profisportler nicht aus zu sagen, dass du ein guter Spieler bist – nein, du musst als Leader vorausgehen. Genau dann kannst du den nächsten Schritt in deiner Karriere machen. Schließlich stärkst du damit auch dein Selbstvertrauen. Schaut euch doch die Serben oder Amerikaner auf dem Parkett an. Sie zeigen dir genau, wer sie sind.

Lebensqualität zurückgeben

Was machst du in deiner Freizeit, wenn du dich nicht mit dem runden Leder beschäftigst?

Ich beschäftige mich sehr viel mit Politik, wo mein Vater früher schon sehr engagiert war. Für mich ist es wirklich peinlich, wenn der aktuelle amerikanische Präsident seinen Mund aufmacht, beispielsweise zum Thema Waffen an Schulen. Ansonsten möchte ich viel Freizeit mit meiner Frau, meinem Sohn und meiner Tochter verbringen. Schließlich mussten sie sich immer nach mir richten, da wir zu meiner aktiven Zeit sehr viel unterwegs waren. Jetzt will ich ihnen etwa so zurückgeben.

Und wo sieht sich Derrick Taylor in einem Jahr?

Hoffentlich als erfolgreicher Trainer des BBC Coburg in der PRO B. Ansonsten kann ich mir viele Dinge vorstellen. Mir macht es einerseits unglaublich Spaß mit Jugendlichen zu arbeiten, andererseits wäre auch Spielerberater denkbar. Oder einfach nur Vater und Mann einer glücklichen Familie im schönen Oberfranken.

Vielen Dank für das nette Interview!

 

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