Er ist inzwischen knapp drei Jahrzehnte im Basketballzirkus unterwegs. Zuerst im Radio, dann im Fernsehen. Inzwischen ist er der Experte schlechthin, wenn es um die Berichterstattung rund um den Basketball geht. Michael Körner ist nach dem Abgang von Frank „Buschi“ Buschmann das Aushängeschild von TelekomSport. Wir trafen ihn im Vorfeld der EuroLeague-Partie zwischen brose bamberg und Real Madrid zum Exklusivinterview.

Im Schatten von Buschi

Michael, dein beruflicher Werdegang führte dich nicht sofort zum Journalismus. Wann hast du gespürt, dass genau das dein Ding ist?

Ursprünglich habe ich ein Semester Chemietechnik angefangen, das zählt aber eigentlich nicht. Später studierte ich Theaterwissenschaften. Während des Studiums eröffnete ein Regionalradio in meiner Geburtsstadt Hagen und dort wurden anfangs freie Mitarbeiter für die Sportabteilung gesucht. Das war für mich ideal, denn es war für mich „Learning by doing“. Ich hatte gewissermaßen freie Hand. Daneben wurde ich mit 22 Jahren noch Vater. Somit lief das Studium nur noch nebenher. Mein Tag hatte 49 Stunden und ich habe einfach nur gemacht.




1993 hattest du deinen ersten TV-Auftritt. Wie fühlt sich es an, sich das erste Mal im Fernsehen zu hören?

Nervös war ich überraschenderweise nicht. Ich war der Gewinner eines Sportreporter-Castings bei VOX. Ich kam wie die Jungfrau zum Kind. Es war Sendestart und somit waren alle Redakteure sehr motiviert. Man wächst in die Rolle nach und nach rein.

Buschi hat dich fast deine gesamte Karriere begleitet. Würdest du sagen, du bist in seinem Schatten gestanden?

Angefangen hat alles beim Radio. Buschi war bei Olympia und sah sich das Dreamteam der USA an, während ich die Beiträge im Studio in Hagen erstellt habe. Buschi hat die Nationalmannschaft kommentiert, ich die Bundesliga. Er hat die Highlights gemacht. Aber das war und ist mir auch egal. Er war schon immer der bunte Hund.

Inzwischen ist er ausschließlich im Showgeschäft. Muss man dafür der Typ sein?

Absolut. Das war früher auch so. Ich war 18, er 20. Er hatte die schönsten Mädels auf der Schule, wir den Rest. Buschi war immer der Offensivere von uns beiden. Buschi hatte immer die Stewardessen, während Michael Körner das Bodenpersonal bekam (lacht).

Könntest du dir einen Wechsel ins Showgeschäft vorstellen?

Nein, ich bin jetzt 49 Jahre. Ich arbeite nicht darauf hin, um Ninja Warrior zu moderieren. Ursprünglich sollte ich die Premiere von Schlag den Raab moderieren. Den Termin konnte ich allerdings nicht wahrnehmen und ab diesem Zeitpunkt blieb Buschi der Sendung treu. Und er machte es auch überragend.

Michael Körner

Michael Körner begleitet und kommentiert Basketballspiele

Reisen von Halle zu Halle

Wirst du nicht mal müde, wenn du immer wieder nur Basketball kommentierst?

Diese Frage könnte auch von meiner Frau kommen (lacht). Sie fragt mich öfters, ob mir der Basketball nicht irgendwann mal auf den Sack geht. Und ich muss ganz klar sagen: Nein. Gerade durch TelekomSport sind wir die letzten Jahre viel näher an die Teams herangekommen. Wir haben nun einen intensiven und freundlichen Kontakt. Beispielsweise kommen die Spieler, Trainer und Offiziellen inzwischen auch auf uns zu. Das wäre vor zehn Jahren noch undenkbar gewesen. Das macht richtig Spaß.

Wie kam das Engagement bei TelekomSport damals zustande?

Wir Sportreporter sind in Deutschland eine überschaubare Familie und jeder kennt jeden. Dann unterscheiden wir zwischen den öffentlich-rechtlichen und den privaten Anbietern. Und die, die TelekomBasketball vor vier Jahren ins Leben gerufen haben, die kenne ich natürlich auch – seit 20 Jahren. Ich wurde gefragt, ob ich Lust habe – und schon war ich dabei. Alles sehr kurze Dienstwege.




Wie sieht eine typische Woche bei einem Michael Körner aus? Mit BBL, EuroLeague und Podcast?

Das ist total unterschiedlich. Internationale Auswärtsspiele kommentieren wir aus München, wo ich auch wohne. Ansonsten reise ich zu Spielen innerhalb Deutschlands oft mit der Bahn, um zusätzlich noch zu arbeiten. Beispielsweise bin ich heute in Bamberg gegen Real Madrid, morgen steht Ulm gegen Erfurt auf dem Programm. Daher versuche ich es mir so stressfrei und bequem wie möglich zu machen und sitze jetzt auch mit Jogginghosen hier rum. Aber im Schnitt bin ich bei drei Spielen pro Woche vor Ort.

Wie sieht eine typische Spielvorbereitung aus? Gerade bei EuroLeague-Spielen gibt es doch auch internationale Bilder.

Genau. Bei EuroLeague-Spielen werden zwei unterschiedliche Feeds produziert. Zum einen den World-Feed, der in die ganze Welt gesendet und von der EuroLeague produziert wird. Hierfür arbeitet der Großteil der Crew. Aber wir versuchen auch eine Sub-Regie zu fahren. Das heißt, dass wir ein deutsches Signal produzieren und eigene deutsche Bilder bringen. Und das muss genauestens besprochen werden. Für mich als Kommentator ist das jedoch nebensächlich.

Michael Körners großer Traum

Bei TelekomSport gibt es neben Basketball auch noch andere Sportarten. Werden die Moderatoren und Kommentatoren auch unterschiedlich eingesetzt?

Jan Lüdeke macht beispielsweise Eishockey und Basketball. Gerade Moderatoren kann man gut für verschiedene Sparten einsetzen. Bei Kommentatoren ist das schwieriger, hier ist dann der Fachmann gefragt. Ich könnte auch noch Fußball kommentieren, allerdings gibt das die Zeit nicht her.

Trifft sich die Abteilung Basketball regelmäßig?

Nein. Das ist das besondere bei Telekom. Wir sind extrem dezentralisiert. Wir haben lediglich ein sehr kleines Kompetenzteam in Holzkirchen, bestehend aus vier bis fünf Leuten. Und diese Leute halten den kompletten Laden zusammen. Sie kümmern sich um die Strukturen, Beiträge im Vorfeld der jeweiligen Spiele und den Auftritt in den sozialen Medien.

Ihr produziert wöchentlich einen Podcast. Wie kommt dieser eigentlich zustande?

Die Podcasts entstehen genau dann, wenn du auf Aufnahme drückst. Ich bereite mich überhaupt nicht darauf vor. Lediglich um ein, zwei Gesprächspartner kümmere ich mich. Hierzu frage ich die entsprechenden Pressesprecher an. Das ist von den Vereinen auch so gewünscht. Natürlich kann ich auch einen Spieler direkt anrufen, allerdings muss der Verein vor der Veröffentlichung zustimmen und fühlt sich dann etwas hintergangen. Daher ist der offizielle Weg immer der bessere und meist der einfachere.

Du bist jetzt der Basketball-Journalist schlechthin. Hast du somit dein berufliches Ziel erreicht oder hast du noch Pläne für die Zukunft?

Ich möchte unbedingt zu den Olympischen Spielen. Das war schon immer mein Kindheitstraum. Bisher war das nicht möglich, da die Öffentlich-rechtlichen die Übertragungsrechte hatten. Nun ist es Eurosport. Ich hatte sogar die Möglichkeit 2018 zu den Winterspielen nach Pyeongchang zu fahren. Da hatte ich schon kurz gezuckt, aber zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio werde ich sicher etwas machen. Es gibt zwar noch keine Absprachen, aber dahin fahre ich! Und wenn ich nur ein Kabel von links nach rechts verlege.

Michael Körner über die EuroLeague

Michael, warum ziehst du den europäischen Basketball der NBA vor?

Das ist eine sehr gute Frage. Ich kann mich keinesfalls dem Faszinosum NBA entziehen. Schließlich bin ich damit groß geworden, habe in den 90ern immer NBA geguckt. Ich war mit Buschi immer bei den Spielen vor Ort. Das bleibt einfach hängen. Aber du brauchst dir im November keine NBA-Spiele anschauen. Wenn 17 Mal hintereinander eine Isolation gespielt wird, fragst du dich schon, ob das deren ernst ist. Von daher gefällt mir die EuroLeague schon gut, da die Intensität in jedem Spiel sehr hoch ist.

Findest du das jetzige EuroLeague-Format mit 30 Spielen in der Hauptrunde sinnvoll?

Das, was die EuroLeague veranstaltet, ist grenzwertig. Das ist leider reiner Machtkampf, um „ihr“ Produkt durchzupressen. Sie machen dies hochprofessionell. Aber als europäischer Sportfan eine Liga mit A-Lizenzen zu implementieren, ohne Auf- und Abstieg, finde ich überhaupt nicht gelungen.

Wie siehst du die Qualität der EuroLeague?

Ich denke, dass die Liga dieses Jahr etwas schwächer geworden ist. Gerade bei Mannschaften wie Mailand, Barcelona oder Vitoria sind die Kader nicht besser geworden. Es existiert ein leichter Fluss Richtung NBA und G-League, wo höhere Gehälter gezahlt werden.




Kann die BBL, wie von Jan Pommer angekündigt, in einer solchen Struktur überhaupt die stärkste Liga Europas werden?

Das ist für mich nur Marketingtrommelei. Ich glaube nicht, dass es so kommen wird. Denn die EuroLeague fängt an, die nationalen Wettbewerbe zu fressen und hier muss man gegensteuern. Es müssen die besten deutschen Teams auch in der Bundesliga spielen! Wenn das nicht mehr gegeben ist, dann wäre das für mich der Untergang des sportlichen Abendlandes. Es gab tatsächlich schon erste Überlegungen, dass der EuroLeague-Teilnehmer erst zu den Playoffs in der Bundesliga einsteigt. Davon halte ich rein gar nichts.

Zu wenige Lokalhelden

Michael, könnte man den nationalen Basketball in Deutschland zu größerer Popularität verhelfen?

Ich bin inzwischen in meiner 28. Saison. Jahr für Jahr diskutierten wir, wie man die Quoten steigern kann, wie man die Bundesliga besser vermarkten kann. Am Ende kamen wir immer zum gleichen Ergebnis. Es wäre hilfreich für die Vereine, wenn die Personalrotation nicht so extrem wäre. Durch die Verbundenheit entstehen Lokalhelden wie Paulding in Oldenburg oder Per Günther in Ulm und die Fans identifizieren sich mehr mit einem Verein. Natürlich hast du eine gewisse Fanschar, die immer „Bamberg, Bamberg“ schreit, egal wer auf dem Court steht. Aber die breite Masse erreichst du durch Kontinuität und Personen, die einen Wiedererkennungswert haben.

Würdest du also zustimmen, dass der Basketball nie die Massen in Deutschland erreichen wird?

Definitiv. Das Wichtigste ist eben der Wiedererkennungswert. Man sieht das doch in anderen Sportarten. Zum Beispiel durch den Olympiasieg von Harting erreichte der Diskuswurf wieder einen hohen Bekanntheitsgrad. Jeder Sportinteressierte wusste, dass er es ist, der sich das Trikot vom Leib riss. Das Image muss nicht zwingend nur positiv behaftet sein, aber die Person muss auch im Boulevard mal auftauchen.

Was war bisher das kurioseste Erlebnis, das du beim Basketball erlebt hast?

Michael Jordan, als er sich nach dem Titelgewinn in der Kabine auf den Boden schmeißt. Er heult wie ein kleines Kind. Das war in der Saison als sein Vater erschossen wurde. Da weißt du als Reporter: Ok, jetzt musst du ihn mal alleine lassen.

Was war bisher dein spannendstes Basketballspiel, das du kommentiert hast? Kannst du als Reporter deine Emotionen immer zurückhalten?

Die erste Bamberger Meisterschaft war sehr emotional. Mit der Schlusssirene bin ich aufs Feld gerannt und habe mir sofort Steffen Hamann zum Interview geschnappt. Er hat mich so umarmt, dass ich mir fast einen Rippenbruch zugezogen hatte. Ich wurde fast ohnmächtig. Aber mit der Zeit wird man etwas ruhiger. Nichts desto trotz versuche ich mich immer noch in die Lage eines Fans hinein zu versetzen. Wie geil muss es für jemanden sein, wenn sein Team das entscheidende Spiel 5 einer Serie gewinnt. Wie viel Adrenalin in solchen Situationen ausgeschüttet wird, sollte man nicht unterschätzen.

Zum Schluss noch zwei Prognosen – wer sind die vier Halbfinalisten um die deutsche Meisterschaft und wer kommt ins Final Four der EuroLeague, wenn sich Michael Körner jetzt festlegen müsste?

Nach den ersten vier Spieltagen habe ich Ludwigsburg gesagt. Das werde ich sicher nicht korrigieren. Dazu noch Bamberg und München. Als Viertes tippe ich ALBA. In der EuroLeague werden es ZSKA Moskau, Panathinaikos Athen, Olympiakos Piräus und Real Madrid machen.

Wer ist eigentlich Gabe York? Ab zum Exklusivinterview!

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