Am 18. und 19. Februar wird dieses Jahr der Pokal im Rahmen des TOP FOUR in Ulm vergeben. Eine Veranstaltung, die den Fans Vieles verspricht: In einer der modernsten Arenen treffen sich die besten Teams des Landes, um schließlich in packenden Duellen einen Sieger zu ermitteln. In diesem Jahr ist ratiopharm ulm als Gastgeber automatisch qualifiziert, daneben spielen sechs weitere Mannschaften die Teilnahme unter sich aus. So weit so gut, aber merkt ihr etwas?

Aus eins mach zwei

Ich tue mir schwer von einem Pokalwettbewerb zu reden, wenn es Teams gibt, die für ein Endturnier gesetzt sind. Doch lasst uns vorerst einmal einen Blick zurück ins Jahr 2009 werfen. Da wurde die Entscheidung getroffen, dass die erste Bundesliga ihren eigenen Pokalwettbewerb startet. Die PRO A- und PRO B-Ligisten sollten von hier an bis ins Jahr 2011 mit den 16 Siegern der einzelnen Landesverbände um ihren eigenen Pokal, dem DBB-Pokal, spielen. Der damalige BBL-Geschäftsführer Jan Pommer erklärte diese Entscheidung hauptsächlich durch folgende drei Gründe:

  1. Zu niedrige Zuschauerzahlen bei Pokalspielen von Vereinen unterhalb der BBL
  2. Ein prall gefüllter Spielplan von Bundesligateams, auch bedingt durch internationalen Wettbewerb
  3. „David“ hat in den vergangenen Jahren nur selten „Goliath“ geschlagen

Besonders der zweite Punkt ist aktueller als je zuvor. In der EuroLeague trägt der deutsche Meister aus Bamberg mindestens 30 zusätzliche Spiele aus. Erfolgreiche Teams im EuroCup oder in der Champions League müssen eine ähnliche hohe Belastung stemmen. Es mag also sein, dass dies die Reformation des Pokals rechtfertigte und das noch heute tut.




Pokal ist nicht gleich Pokal

Zurück ins Jahr 2018. Anders als zum Beispiel im Fußball findet das Endspiel nicht jedes Jahr am gleichen Ort statt. Beim Basketball wird am Anfang einer jeden Spielzeit bekannt gegeben, in welcher Halle der Pokal vergeben wird. Der gastgebende Verein genießt das Recht ohne jegliche Qualifikation am Entscheidungsturnier teilzunehmen. Für die Stimmung in der Arena gewiss ein Vorteil, doch den Reiz des Pokals muss man lange suchen.

Trey Lewis

In der Liga im Mittelfeld, aber für das TOP FOUR gesetzt: Trey Lewis und ratiopharm ulm (Foto: nordbayerischer-kurier.de)

Und wie qualifizieren sich die anderen drei Teilnehmer? Es wird eine gesonderte Hinrundentabelle gebildet, welche die Spiele der verbleibenden 17 Teams gegen den Gastgeber nicht berücksichtigt. Die sechs besten Teams dieses Tableaus spielen in drei ausgelosten Viertelfinals um den Einzug in das TOP FOUR. Also eine Art Play-offs, nur ein wenig abgeändert.

Das hat zum Resultat, dass die nominell stärksten Teams immer am Endturnier partizipieren. Zumindest immer dann, wenn nicht gerade ein vermeintlich kleinerer BBL-Verein eine herausragende Hinrunde spielt. So ist es nicht verwunderlich, dass Jahr für Jahr die gleichen Klubs ihre Hände nach dem Pokal strecken. Ein Automatismus, welcher dafür aber auch jedes Mal enge Partien im TOP FOUR garantiert. Und genau das wollen die obersten Entscheidungsträger im deutschen Basketball sehen.

Der verloren gegangene Reiz

Ich behaupte jedoch, dass die Mehrheit der Basketballfans etwas vermisst. Wo ist der Geist des Pokals? Wo ist das Duell David gegen Goliath, auf das der unterklassige Verein wochenlang hinfiebert? Wie sollen die verrückten Pokalsensationen entstehen, wenn sie gar nicht erst zugelassen werden? Der Geist des ursprünglichen Pokalwettbewerbs ist beim aktuellen Modus leider verloren gegangen.




Klar wäre es nicht einfach, für Klubs aus Bamberg oder München noch mehr Spiele im Terminkalender unterzubringen. Auch kann man den jetzigen Modus nicht komplett umkehren. Konstruktiven Vorschlägen, die den Pokal wieder mehr zum Pokal machen würden, sollte man sich jedoch nicht verschließen. Man würde sich sicherlich keine Feinde machen.

Das ist Michael Körner

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