Es gibt nicht viele Basketball-Coaches, die sich ihren Arbeitgeber und die Vertragslaufzeit aussuchen können. Raoul Korner gehört bisher dazu, weil er stets erfolgreiche Arbeit ablieferte. Ob in Österreich, den Niederlanden, Braunschweig oder nun bei medi bayreuth –  er weiß, wie ein Team „overperformt“. Im Office der Bayreuther Basketballer nahm sich der eloquente Trainer für uns Zeit und erzählte, welche Herausforderung ihn im dritten Jahr in Oberfranken besonders reizt.

„Das ist nicht meine Welt!“

Herr Korner, trotz eines langjährigen Jurastudiums haben Sie sich für den Basketball und gegen den erlernten Beruf entschieden. Wollten Sie zwingend Ihr Hobby zum Beruf machen?

Zunächst einmal wächst ja in Österreich kein junger Mensch mit dem Gedanken auf, Basketballtrainer zu werden. Bei mir allerdings ist Basketball mit ca. 16 Jahren zu einer Leidenschaft geworden: Einerseits spielte ich aktiv, andererseits trainierte ich parallel eine U12-Jugendmannschaft. Trotzdem hatte ich es bis dato nie ernsthaft in Erwägung gezogen, das beruflich zu machen. Denn ich hatte das feste Ziel, Rechtsanwalt zu werden und begann konsequenterweise ein Jurastudium.




Als ich aber auf der Universität vom ersten Tag an von Mitstudenten mit „Herr Kollege“ angesprochen wurde, war mir klar: Das ist nicht wirklich meine Welt! Am Ende des Studiums boten sich mir dann zwei Optionen: Das Gerichtsjahr zu absolvieren oder die Bundesligamannschaft in Wien, welche seit langer Zeit wieder den Aufstieg geschafft hatte, als Trainer zu übernehmen. Der damalige Coach zog sich ins Management zurück und wollte mich als seinen Nachfolger. So kam es schließlich, dass ich bei diesem Team – gespickt mit Spielern, die ich bereits in den Nachwuchsmannschaften trainierte – meinen ersten Zwei-Jahres-Vertrag unterschrieb.

Hatten bzw. haben Sie Vorbilder im Coaching-Business? Und hospitierten Sie in der Vergangenheit auch wie bspw. Björn Harmsen?

Ein konkretes Vorbild in dem Sinn gab es nicht. Eher habe ich mir von jedem ein bisschen etwas anderes abgeschaut. Mein Mentor war ganz klar Fritz Miklas, der wahnsinnig genug war, einem 25-Jährigen die Headcoach-Rolle anzuvertrauen und dabei gleichzeitig seine eigene Karriere zu opfern. In der Weihnachtspause meiner ersten Saison wurde ich überraschenderweise von Benetton Treviso zum Hospitieren eingeladen, wo Mauricio Gherardini die Zügel in der Hand hatte. Das war ziemlich beeindruckend, da Treviso in dieser Zeit auch als die Top-Adresse im europäischen Basketball galt. Später ist kaum mehr Zeit für so etwas gewesen. Da muss man dann versuchen, sich im laufenden Betrieb etwas abzuschauen.

Reiz für Raoul Korner

Die Bilanz von Raoul Korner in Bayreuth kann sich sehen lassen: 2 Saisons, 2 Mal Playoffs, einmal Platz 4 und einmal Platz 6. Wieso hat der Basketballstandort Bayreuth trotzdem noch Potenzial?

Die Herausforderung besteht darin, hier etwas Nachhaltiges zu schaffen. Gerade jetzt, da neben dem Umbruch im Team auch ein neuer Geschäftsführer kommt, war es wichtig, zumindest auf einer Position Konstanz zu haben. Für mich stellte sich im Speziellen folgende Frage: Ist es möglich, Erfolg reproduzierbar zu machen? Einmal ein One-Hit-Wonder zu sein ist nichts Besonderes. Das Ganze in Jahr zwei zu wiederholen oder sogar zu übertreffen, das haben uns wenige zugetraut. Doch jetzt geht es in den „Rebuild“. Diesen so zu bewältigen, dass wir das Niveau der vergangenen Saisons halten können, ist eine riesige Herausforderung. Letztes Jahr zum Beispiel haben das Klubs wie Ulm oder Bamberg – welche über großartiges Basketball-Know-how und mehr finanzielle Möglichkeiten als wir verfügen – nicht hinbekommen. Und genau das reizt mich.

Raoul Korner

Basketballherz traf Raoul Korner auch abseits des Courts

Was unterscheidet Bayreuth von Ihren vorherigen Stationen?

Jeder Standort ist anders und hat seine Besonderheiten. Trotzdem gibt es oft auch Ähnlichkeiten. Beispielsweise sind Bayreuth und Wels etwa gleich groß und haben beide Basketball als Sportart Nummer eins. Dementsprechend herrscht hier eine große Begeisterung und damit einhergehend eine große Erwartungshaltung der Fans.

Wann wussten Sie, dass Sie hier verlängern wollen?

Es war ja ein Vertrag, der auf drei Jahre ausgelegt war (2+1). Daher ging es nur darum, dem Verein für das dritte Jahr die Sicherheit zu geben. Gleichzeitig wurde noch ein weiteres Jahr als Option angehängt. Wenn ich also nach meinem dritten Jahr gehen würde, soll der Verein durch eine Ablösesumme also auf jeden Fall einen finanziellen Vorteil daraus ziehen.

Neubeginn als Chance

Die letzte Saison war erfolgreich, aber auch kräftezehrend. Nun wirkt der Kader mit elf Profis tiefer aufgestellt und auch die sogenannten „Busfahrer“, wie ein Nico Wenzl, wirken wieder ein Stück reifer. War es ihr Offseason-Ziel, mehr Substanz in das Team zu bringen?

Also für einen Busfahrer ist Nico zu jung, er hat noch keinen Führerschein (lacht). Klar, das war schon immer das Ziel. Ganz am Anfang wollte ich alle Spieler mit in die Vorbereitung nehmen, die im entferntesten Sinne in Frage dafür kommen. Das waren nicht viele. Im ersten Jahr war das eigentlich nur Marius Adler. Um das nachhaltiger zu gestalten, musste sich also etwas tun. Es konnte ja nicht sein, dass die Bayreuther Basketballer überall spielen, nur nicht in Bayreuth. Ich erinnere an dieser Stelle nochmal an die Mannschaft der Saison, bevor ich kam: Ein Zehn-Mann-Kader. Eine absurde Vorstellung, bei der personelle Engpässe im Trainingsbetrieb keine Seltenheit waren. Um darüber hinaus einen fließenden Übergang in das Profiteam gewährleisten zu können, benötigt man in Zukunft zudem ein Farmteam in der ProB.




Marei, Linhart, York, Robinson, Cox und schließlich noch Robin Amaize. Der Umbruch war schwer aufzuhalten. Wie schade findet Raoul Korner diese Abgänge in persönlicher Hinsicht?

Sehr schade. Vor allem, weil diese Burschen auch als Team funktioniert haben. Außerdem will man als Trainer immer Kontinuität – so war zum Beispiel die letzte Preseason ein Traum. Dann kann man taktisch auf einem viel höheren Niveau ansetzen. Auf der anderen Seite stellt jeder Neubeginn auch wieder eine Chance dar, sich irgendwo zu verbessern.

Hatten Sie einen speziellen Plan, wie Ihre neue Mannschaft aussehen soll? Oder einen Plan, welche Position Sie nacheinander besetzen wollten?

Meine einzige Prämisse war, zuerst die deutschen Positionen zu besetzen. Die restlichen Spots werden dann um diesen Kern herum – ohne eine festgelegte Reihenfolge – gebaut. Robins Abgang war nicht unerwartet, das war zumindest mir schon bei Abschluss seines Vertrags klar – unter der Voraussetzung, er entwickelt sich so, wie ich es erwartet hatte. Letztendlich war es eine Win-Win-Situation, da eine gewisse Ablösesumme vereinbart war. Mein Plan B musste deshalb bereits in der Schublade liegen: Das war Nik. Ich war auch froh, dass der gleich funktioniert hat.

Wie es zur Verpflichtung von Adonis Thomas kam? Oder wie es Raoul Korner schafft, ein harmonierendes Team aufzustellen? Das und einiges mehr beantwortet der sympathische Österreicher in Teil 2 unseres Exklusivinterviews. Seid gespannt!

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