Florian Koch – trotz seiner erst 27 Jahre ein Bonner Urgestein. Vor zwei Jahren verließ er das familiäre Nest und landete über eine Zwischenstation schließlich bei s.Oliver Würzburg. Wie schon in seiner Geburtstadt Bonn hat er auch in seiner neuen unterfränkischen Heimat die Nähe zu den Fans gesucht – und gefunden.

Die Nervosität fällt ab, die Lockerheit nimmt zu

Florian, wie wichtig waren die Siege gegen Göttingen und Bayreuth für euch?

Für unser Selbstvertrauen waren beide Spiele enorm wichtig. Damit haben wir eine Grundlage geschaffen. Das nimmt auch den Druck von der Mannschaft im Hinblick auf die weiteren anstehenden Aufgaben.




Machen sich diese Erfolgserlebnisse im Training bemerkbar? Könnt ihr nun entspannter und lockerer arbeiten?

Entspannter ist definitiv das falsche Wort. Aber mit jedem Erfolg im Rücken fällt die Nervosität etwas ab. Die Spannung ist nach wie vor vorhanden. Wir sind in jeder Einheit sehr fokussiert und bereiten uns auf jeden Gegner akribisch vor.

Auch euer Kader hat sich in letzter Zeit verändert. Von Noah Allen habt ihr euch getrennt, Brekkott Chapman ist verletzt und Victor Rudd wurde nachverpflichtet. Wie sind deine ersten Eindrücke vom EuroLeague erfahrenen Forward?

Victor wird uns mit seiner Veranlagung sicherlich helfen. Unser Ziel muss es sein, dass wir ihn schnellstmöglich in unsere Systeme einbinden. Schließlich wird er durch die Verletzung Chapmans schnell Verantwortung übernehmen müssen.

Im Kampf um die Playoffs entscheiden Nuancen

Nachdem im Pokal bereits in der ersten Runde Endstation war, spielt ihr jetzt nur noch in der BBL. Was ist das Ziel von s.Oliver Würzburg in dieser noch jungen Saison?

Ich bin kein Fan von Zielen, beispielsweise den Playoffs. Vielmehr sollten wir uns mit verschiedenen Eigenschaften identifizieren: Ehrgeiz und Toughness auf dem Feld, dass wir uns als eine Familie präsentieren und Spaß haben. Wenn wir diese Punkte leben, dann kommt der Erfolg und wir werden gute Chancen haben, um Platz acht mitzuspielen. Ganz ehrlich glaube ich aber, dass es diese Saison 14 Mannschaften in die Playoffs schaffen können. Von daher werden Nuancen zwischen Erfolg und Misserfolg entscheiden. Und hier glaube ich, dass wir mit den genannten Werten auf einem sehr guten Weg sind.

In dieser Saison spielst du das erste Mal nicht international. Merkst du hier schon eine Veränderung?

Natürlich ist es besser, wenn man sich im Wettkampf mit anderen vergleichen kann. Jeder Spieler will spielen. Aber wir können uns dadurch nun auf jeden Gegner intensiver vorbereiten und als Team weiterentwickeln. Diese Chance sollten und wollen wir auch nutzen.

Und wie hast du den Fiba EuropeCup letzte Saison erlebt?

Natürlich war die vergangene Saison vor allem international eine geile Zeit, auch für den Verein und die Fans. Jeder Fan und Spieler wird sagen: Ja, der Finaleinzug, die Stimmung und alles andere herum – das hat echt Bock gemacht.

Rheinland, Schwaben und nun Unterfranken

Mit 25 Jahren hast du dich als gebürtiger Bonner entschieden, deine Heimat zu verlassen. Lag es ausschließlich daran, dass du unter Coach Krunić wenig Spielzeit gesehen hast?

Nach sehr offenen und ehrlichen Gesprächen mit den Verantwortlichen der Bonner sowie mit Predrag, mit dem ich mich nach wie vor sehr gut verstehe, war klar, dass mir die zugedachte Rolle nicht ausreicht. Dementsprechend habe ich entschieden, dass ich einen anderen Weg gehen werde. Es gab dadurch natürlich eine Ungewissheit für mich, aber ich wollte wissen, was für mich möglich ist. Ich wollte eine größere Rolle im Team haben.

Wie würdest du dann deine Station in Ludwigsburg persönlich beurteilen?

Es war für mich gut, meine Heimat – die Komfortzone – verlassen zu haben. Natürlich wird Ludwigsburg für mich nicht in bester Erinnerung bleiben und ich hatte mir vom Wechsel mehr versprochen. Trotzdem habe ich in diesem Jahr sehr viel lernen dürfen und als Team war es eine sehr erfolgreiche Saison – Top4 in der Champions League, Halbfinale in der Liga. Es war beim besten Willen nicht alles schlecht, auch wenn es für einen Außenstehenden vielleicht so wirken mag.




Nun bist du deine zweite Saison in Unterfranken mit etwa 20 Minuten Einsatzzeit pro Spiel. War ein Wechsel also der richtige Schritt für deine Karriere?

Defintiv. Grundsätzlich passt es hier einfach – der Coach, der Staff, die Fans. Mein Vertrag läuft noch bis Ende dieser Saison und dann werden wir sehen, wie es weitergeht. Zum jetzigen Zeitpunkt will ich einfach nur mit s.Oliver Würzburg eine erfolgreiche Saison spielen.

„Ich will auch die Kultur in den Vereinen kennenlernen“

Nach dem Sieg in Bayreuth bist du als Erster zu den Fans in den Block geklettert. Siehst du dich auch als Publikumsliebling?

Ich möchte zumindest sehr nahe bei den Fans sein. Ich schätze deren Unterstützung sehr und genauso schätzen unsere Fans, dass ich mich für deren Kultur interessiere. Mit unseren Fans kann ich sehr gut – sowohl mit den Youngstars als auch Red Passion, die sich beide mit Herzblut bei jedem Spiel den Arsch aufreißen und für uns Vollgas geben. Ich bin nicht jemand, der ein Jahr bei einem Club spielt und dann wechselt. Ich möchte die Kultur in den Clubs auch kennen lernen. Von daher verstehe ich jetzt nur zu gut, warum Bonn und Würzburg eine Fanfreundschaft haben.

Mit 27 Jahren bist du nun im besten Basketballalter. Welche Ziele verfolgst du noch?

Ich bin niemand, der sagt: „Ich muss unbedingt in Spanien spielen“. Lieber schaue ich von Jahr zu Jahr. Wir haben dieses Jahr noch viel Arbeit vor uns und darauf bin ich sehr fokussiert. Mein Ziel ist es, im Hier und Jetzt alles zu geben.

Wie gefällt dir die Stadt Würzburg im Allgemeinen?

Würzburg ist kulturell einfach der Wahnsinn und meine Freundin fühlt sich hier ebenfalls sehr wohl, was mir viel bedeutet. Ich bin auch häufig mit dem Fahrrad in der Stadt unterwegs und es ist wirklich eine sehr schöne Studentenstadt.

Und zum Abschluss: Was sind die Pläne eines Florian Koch nach der Zeit des aktiven Basketballers?

Spannende Frage, aber da habe ich noch keine konkreten Pläne. Ich hoffe, noch ein paar Jahre verletzungsfrei spielen zu können. Da ich bereits eine Ausbildung zum Industriekaufmann abgeschlossen habe, wird sich danach sicherlich etwas ergeben. Vielleicht auch im Basketballgeschäft.

Vielen Dank für das lockere Gespräch (17.10.2019).

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