Jung und doch schon Identifikationsfigur. Mit 18 Jahren, im November 2014, debütierte er beim Gastspiel in Ludwigsburg in der Beletage des deutschen Basketballs. Ziemlich genau zwei Jahre später gingen dann bei Phoenix Hagen die Lichter aus. Folglich wechselte der 2,01m große Aufbauspielers von der Stadt der FernUniversität in die PRO A nach Gotha und schaffte mit den Thüringern den Aufstieg in die easyCredit BBL. Warum Jonas Grof aber dennoch auch in dieser Saison in Deutschlands zweiter Liga spielt und warum er wieder in seine Heimat zurückgekehrt ist verrät er uns im exklusiven Interview.

Über Umwege zurück nach Hause

Jonas, dein Vater Elmar war erfolgreicher Basketballer. Wurde dir der Sport sozusagen bereits in die Wiege gelegt?

Rückblickend konnte ich eigentlich alles ausprobieren. Aber Basketball war und ist mein einziger Vereinssport. Das Interesse für diese Sportart war schon seit meiner Kindheit vorhanden, da ich oft bei meinem Vater in der Halle war. Dort lernte ich Freunde kennen, die natürlich auch basketballbegeistert waren.




Von Beginn an hattest du auch zu Marcel Keßen eine gewisse Verbindung, dem Power Forward der EWE Baskets Oldenburg.

Da Marcel auch aus der Nähe Hagens stammt, spielten wir bereits in der Jugend bei Basketball Boele-Kabel. Unsere damalige U12 war sehr gut, weshalb er und Haris Hujic zu uns wechselten. Beide spielen inzwischen in Oldenburg. Von da an durchliefen wir sämtliche Jugendmannschaften bis hin zur Herrenmannschaft. Dort durfte ich sogar noch mit meinem Vater zusammen auf dem Court stehen.

Nach deinem erfolgreichen Abitur warst du ein Jahr an der „Prep school“ in Maine/USA. Was hat dich dazu veranlasst?

Der Hauptgrund war nicht der Sport, sondern vielmehr die Sprache. Mein Englisch war sehr bescheiden und ich wollte mich verbessern. Da ich bereits mit 17 Jahren die Schule abschloss, wollte ich eigentlich ein Austauschjahr an einer Highschool machen. Aufgrund des Abiturs hätte ich dann aber kein Basketball spielen dürfen.

Wolltest du danach nicht an ein College?

Natürlich war das College eine Option. Jeder Mitspieler an der „Prep school“ wollte nur ans College, um dort professionell ausgebildet zu werden. Auch ich spielte mit dem Gedanken. Mit meinen wichtigsten Förderern – Matthias Grothe, Ingo Freyer und mein Vater – setzte ich mich zusammen und besprach das Thema intensiv. Letztendlich entschieden wir gemeinsam, meinen professionellen Weg in Deutschland zu beginnen.

Ein zweiter Vater für Jonas

Jonas, dein Weg führte dich dann nach Iserlohn. Dort war Matthias Grothe dein Trainer. Was geht dir gerade durch den Kopf, wenn du an ihn zurück denkst?

Der Tod von Matthias hat mich schon sehr mitgenommen. Vor meinem USA-Aufenthalt spielte ich bereits drei Jahre unter ihm, zwei in der Jugend und eines in Iserlohn. Er war wie ein zweiter Vater für mich. Er war mein Mentor, er stand die letzten sieben, acht Jahre nahezu jeden Tag mit mir in der Halle. Es bleiben nur positive Erinnerungen an einen einzigartigen Menschen.

Dein Debüt in der BBL hast du dann mit 18 Jahren beim Auswärtsspiel von Phoenix Hagen in Ludwigsburg gefeiert.

An das Spiel kann ich mich noch richtig gut erinnern. Ursprünglich sollte ich in dieser Saison hauptsächlich in der PRO B in Iserlohn und in der NBBL spielen, zusätzlich aber schon mit den Profis trainieren. Als es aber bei Phoenix nicht lief, setzte Ingo Freyer die Amis auf die Bank und gab den jungen Deutschen eine Chance. Das macht er ganz gerne. Ich kam rein, bekam ein, zwei einfache Abstauber. Das waren sieben geile Minuten in der ersten Halbzeit. Vor allem, weil wir das Spiel am Ende drehten und überraschend noch gewannen.

In der folgenden Saison 2015/16 hattest du schon mehr Einsatzzeiten in Deutschlands höchster Spielklasse. War Coach Ingo Freyer für dich auch so eine Art Förderer?

Absolut. In dieser Saison plante mich Ingo bei Überschneidungen von BBL und PRO B in der Bundesliga fest mit ein. Ingo half mir in den vergangenen Jahren in vielerlei Hinsicht. Egal, ob Training oder Spiel. Er schenkte mir immer das Vertrauen und war daher eine ganz große Hilfe für mich.




Würdest du Ingo Freyer als einen Trainer bezeichnen, der besonders deutsche Talente entwickeln will?

Auf jeden Fall. Vor allem gibt er den Talenten das Vertrauen auf sehr hohem Niveau. Das ist wirklich außergewöhnlich.

Höhen und Tiefen

Im November 2016 zog sich Phoenix Hagen aufgrund der Insolvenz aus dem Spielbetrieb zurück. Wie hast du den Rückzug mitbekommen?

Das war schon eine schwierige Situation. Wir bekamen die Botschaft während eines Trainings übermittelt. Ende September hieß es erst, dass wir die Saison zu Ende spielen werden und in der PRO A wieder anfangen. Das Wichtigste für uns Spieler war, weiter spielen zu können. Ende November wurde dann aber bekannt, dass der Spielbetrieb nicht mehr finanzierbar ist und deshalb in zwei Wochen eingestellt wird. Damit hatte keiner von uns gerechnet.

Wie hat Jonas Grof die vereinslose Zeit überbrückt?

Matthias Grothe kam sofort auf mich zu und bot mir an, in Iserlohn traineren könnte. Parallel dazu studierte ich an der FernUniversität Hagen. Daher war ich relativ entspannt. Am 30. Dezember kam dann mein Agent auf mich zu und berichtete mir von einem Interesse aus Gotha. Ich telefonierte des Öfteren mit Chris Ensminger, dem damaligen Coach der Rockets. Und am 2. Januar war ich schon dort.

Wie ging es dann weiter?

Das war wirklich sehr professionell. Ich kam mittags an und schlief nur eine Nacht im Hotel. Am folgenden Tag stellten mir die Rockets schon eine Wohnung, ein Auto und meine Trainingsklamotten zur Verfügung. Bis dahin fuhr mich Chris Ensminger persönlich, er zeigte mir auch die Stadt. Höchstes Kompliment an dieser Stelle, wie sich der Verein um mich gekümmert hat.

Ihr seid dann sogar überraschend noch aufgestiegen. Warum bist du aber wieder zurück? Sowohl geographisch als auch sportlich.

Ich spielte anfangs viel. Dann gab es aber einen Trainerwechsel Ende Januar von Chris Ensminger und Steven Esterkamp zu Ivan Pavic. Bei ihm lief es für mich nicht mehr so gut. Gotha holte schließlich noch einen Amerikaner und letztendlich hatten sie vier amerikanische Guards. Somit hatte ich nicht mehr die Spielzeit bekommen, die ich mir vorgestellt hatte. Daher kam für mich die Option BBL mit Gotha nicht in Frage.

Aktuell spielst du mit knapp 10 Punkten pro Spiel eine beachtliche Saison, auch wenn es im Verein alles andere als rund läuft. Was ist dein persönlicher Anspruch? Ist die BBL das Ziel von Jonas Grof?

Der Hauptgrund für meinen Wechsel nach Hagen war Matthias, der Phoenix ab dieser Saison trainierte. Wenn wir mal überlegen, was in dieser Saison bisher geschah, dann haben wir nur ein Ziel. In ruhigere Fahrwasser wieder zu kommen. Es gibt auch aktuell keine Ziele seitens Management. Erst der Tod von Matthias, dann drei Verletzte. Inzwischen haben wir den vierten Trainer. Letzte Woche verließ uns noch James Reid und David Godbold wurde nachverpflichtet. Hagen befindet sich in Jahr 1 nach der Insolvenz. Aktuell sind wir Neunter, aber wir können sicherlich in die Playoffs kommen. Auf längere Sicht möchte ich natürlich wieder auf das höchste nationale Niveau zurück, zurück in die Bundesliga und am liebsten mit Hagen.

Gibt es seitens Phoenix eine strategische Ausrichtung?

Ja, die gibt es tatsächlich. Unser Geschäftsführer Patrick Seidel hat einen Plan vorgestellt. In drei bis vier Jahren wollen wir wieder im Oberhaus angekommen sein.

„Das habe ich noch nicht erlebt“

Jonas, im vergangenen November wurdest du sogar für die A-Nationalmannschaft nachnominiert. Wer hat dir die Botschaft überbracht und hattest du überhaupt damit gerechnet?

Unser Bundestrainer Henrik Rödl spricht oft mit mir. Er war schon mein Trainer in der U20-Nationalmannschaft. Er sah sich zwei Wochen vor der Nominierung ein Spiel von uns an und sagte mir da schon, dass er mich auf seinem Zettel hat. Als der Anruf tatsächlich kam, habe ich mich natürlich riesig darüber gefreut.




Wie hast du dann die beiden Länderspiele gegen Georgien und Österreich miterlebt?

Am Freitag konnte ich in Chemnitz das Spiel gegen Georgien direkt von der Bank aus verfolgen. Vom ursprünglichen 14er-Kader durften nur zwölf Mann auf dem Spielberichtsbogen stehen. Von daher habe ich die Mannschaft angefeuert. Da Phoenix Hagen tags darauf auch in Chemnitz spielte, blieb ich dort und konnte mein Team unterstützen. Das Spiel am Montag gegen Österreich verfolgte ich vor dem Fernseher.

Studierst du aktuell neben dem Basketball noch?

Ja, auch wenn es etwas langsamer voran geht. Ursprünglich studierte ich ein Semester Rechtswissenschaften. Das war aber nichts für mich. Inzwischen befinde ich mich im zweiten Semester BWL an der FernUniversität Hagen. Ich sehe es als guten Ausgleich zum Sport.

Möchtest du noch eine Botschaft an die Fans von Phoenix Hagen richten Jonas?

Da kann man nur ein ganz großes Dankeschön sagen und vor diesen Fans den Hut ziehen. Gerade in den letzten Spielen als wir gegen Karlsruhe oder Heidelberg verloren haben. Höhepunkt war die Niederlage gegen Crailsheim mit 50 Punkten Unterschied. Sie standen nach dem Spiel auf und feierten uns. Sie haben gesehen, dass wir alles gegeben haben und aufgrund der Verletzungen nicht mehr möglich war. Das habe ich in dieser Form noch nicht erlebt. Diese Fans sind treu, ehrlich und loyal. Das ist ganz, ganz großer Sport! Da merkt man, dass Phoenix eine große Familie ist.

Vielen Dank für das ehrliche und nette Interview!

 

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