Auch wenn er immer alles gibt, will sich der Erfolg in seiner neunten Saison in Deutschlands höchster Spielklasse mit den WALTER Tigers Tübingen einfach nicht einstellen. Doch privat läuft es anders. Am Dienstag, dem 20. Februar 2018, wurde Phillipp Heyden zum ersten Mal Vater. Und im Sommer schrillen die Hochzeitsglocken, wenn er seiner Kim das Ja-Wort gibt. Unterstützt wird er dabei von seinem ehemaligen Teamkollegen und Trauzeugen Steve Wachalski.

Der Kämpfer Phillipp

Phillipp, bis auf einige Ausnahmen hast du immer in der Nähe deines Geburtsortes Marbach am Neckar gespielt. War das Absicht oder reiner Zufall?

Mein Ziel war es immer im Süden zu bleiben. Ich wollte nie in die große Welt hinaus. Durch Zufall waren meine Stationen in der Tat immer nur entlang der Autobahn A9 bzw. in Baden-Württemberg.




Wie ist der Wechsel von Heidelberg nach Tübingen zustande gekommen?

Durch meine Verletzungen in Bayreuth musste ich vor der Saison 2016/2017 einen Schritt rückwärtsgehen und mich neu orientieren, da Bayreuth mir keinen neuen Vertrag angeboten hat. Dann spielte ich eine ordentliche Saison in Heidelberg und konnte mich wieder für höhere Aufgaben empfehlen. Ein Hauptgrund hierfür war unser Physio Christos Karavassilis, dem ich ab dem ersten Tag zu 100 Prozent vertraute und der mich körperlich wieder zum alten Phillipp Heyden machte. Anschließend bot mir Tübingen einen Zwei-Jahres-Vertrag an und da auch die Randbedingungen passten, fiel mir die Entscheidung relativ leicht.

Kurz vorm Jahreswechsel hattest du dir einen Kapselriss am Fuß zugezogen. Bist du schon wieder bei 100 Prozent?

Noch nicht ganz. Mir fehlt einfach noch der Rhythmus. Wenn du dich während einer Saison verletzt, ist das einfach blöd. Du brauchst normalerweise die doppelte Zeit der Verletzungsdauer, um wieder absolut fit zu werden.

Phillipp, du hast in deiner Karriere schon einige Rückschläge verkraften müssen. Wie motivierst du dich immer wieder aufs Neue zurückzukommen?

Mit den Jahren wird es nicht einfacher. Von daher achte ich auch außerhalb des Spielfeldes auf gewisse Dinge, zum Beispiel auf die Ernährung. Gerade nach dem Trainerwechsel lief es besser für mich. Dann kam das Derby gegen Ludwigsburg daheim. Ich wollte unbedingt dabei sein und kurz vorher verletzte ich mich. Aber man muss den Blick immer nach vorne richten und positiv denken. Das tut schließlich auch dem Körper gut.

Phillipp Heyden

Abschalten beim VfB

Mit den WALTER Tigers Tübingen musst du auch zurückkommen. Wieso läuft es in dieser Saison bisher nicht?

Dafür gibt es sicherlich mehrere Gründe. Aber es ist schwer zu sagen, wenn man ein Teil des Teams ist. Wir hatten anfangs ein sehr happiges Auftaktprogramm und haben gegen Weißenfels mit Pech nach Verlängerung verloren. Dann geht es Schlag auf Schlag und du bist in dieser sogenannten Abwärtsspirale. Und schließlich verlieren wir daheim gegen Gotha und bringen nicht die Energie und die Leidenschaft auf das Feld, die in einer solchen Situation nötig ist. Durch den Trainerwechsel wurde unser Spiel besser, wir gewannen das Heimspiel gegen Göttingen. Da dachte ich, dass wir die Kurve hinbekommen. Aber es folgte leider Rückschlag auf Rückschlag.

Uns fehlt schlichtweg der kleine Lauf, den du im Abstiegskampf benötigst. Das gleiche spielte sich in Köln beim Fußball ab. Sie gewannen nach der Winterpause zwei, drei Spiele und sofort bist du wieder im Geschäft dabei. Ich hoffe, bei uns kommt dieser Lauf so schnell wie möglich. So lange es rechnerisch noch klappen kann, sollten wir an den Klassenerhalt glauben. Diesen Glauben darfst du nie verlieren. Aber wir stecken in einer enorm prekären Situation.

Weil du es angesprochen hast – bist du auch Fußballfan?

Ja, ich verfolge die Bundesliga auf Sky und bin Fan des VfB Stuttgart. Wenn es die Zeit zulässt, bin ich auch bei den Heimspielen des VfB im Stadion. Dabei kann ich gut vom Basketball abschalten und komme mit Menschen gut ins Gespräch.

„Unser Coach lebt den Basketball.“

Ihr habt oftmals gut gespielt, aber dennoch verloren. Was macht aus deiner Sicht den Unterschied aus? Fehlt euch ein richtiger Go-to-guy?

Es gewinnt und verliert immer die ganze Mannschaft. Oft sticht bei einem Team der ein oder andere Spieler heraus. Wir haben von den Namen eigentlich ein gutes, erfahrenes Team, aber wir bekommen diese Qualität nicht aufs Parkett. In den kritischen Situationen trafen wir oft die falsche Entscheidung und dann verlässt dich mit der Zeit das Selbstvertrauen und der Gegner läuft mit breiter Brust über den Court an dir vorbei. Da denkst du nur: Das kann doch nicht schon wieder sein.

Was hat euer neuer Coach Mathias Fischer konkret verändert?

Nicht sehr viel. Wir konzentrieren uns jetzt mehr auf unser Inside-Spiel und nehmen nicht mehr so viele Dreier. Da haben wir wirklich eine bessere Balance gefunden. Coach Tyron McCoy war ein sehr ruhiger Trainer, Fischer hingegen lebt den Basketball mit allem, was er hat. Er wird auch mal lauter. Aber für einen Trainer, der eine Mannschaft nicht selbst zusammengestellt hat, ist es immer brutal schwer.

Phillipp, ihr habt euch auch personell verändert – war das notwendig?

Das ist die Sache des Vereins bzw. der sportlichen Leitung. Wenn mein Rat gefragt ist, helfe ich natürlich gerne. Wenn ein Spieler weg will, muss man ihn ziehen lassen. Und wenn ein Spieler seine Rolle nicht kennt, ist er ebenfalls keine Hilfe – gerade in unserer Situation.




Wie ist die Chemie innerhalb der Mannschaft? Glaubt ihr noch an euch?

Ich versuche zu jedem Training und jedem Spiel immer mit einer positiven Einstellung voran zu gehen, auch emotionaler Leader zu sein. Ich möchte die Kollegen pushen. Der eine nimmt es an, der andere nicht. Vielleicht haben wir zu viele ruhige Spieler in unserer Truppe. Aber ich werde bis zum letzten Tag alles versuchen, um den Abstieg zu vermeiden.

Du spielst deine erste Saison hier. Was würde ein Abstieg für den Basketballstandort Tübingen bedeuten?

An dieses Szenario will und werde ich noch nicht denken. Ich hoffe, dass das nicht der Genickbruch für den Basketball in Tübingen ist. Die Fans lieben den Sport hier. Aber noch sind wir nicht abgestiegen.

Hast du selbst schon Pläne für kommende Saison?

Nein, die habe ich noch nicht. Aber ich mache mir natürlich Gedanken, schließlich habe ich eine kleine Familie und möchte für uns sorgen. Die Entscheidung wird vermutlich im Frühsommer fallen.

Franken oder Baden-Württemberg

Kannst du dir vorstellen, gerade jetzt mit euren beiden Kindern, nochmals außerhalb des Großraums Stuttgart zu spielen?

Ich wohne während der Saison in Tübingen, ansonsten aber wohnen wir in unserem Haus in Bayreuth. Das Beste wäre natürlich entweder in der Nähe meiner Eltern in Marbach oder eben in Bayreuth und Umgebung zu spielen. Dort hätten wir dann die Eltern meiner Freundin vor Ort.

Phillipp, wie nimmst du das Tübinger Umfeld in dieser schwierigen Situation wahr?

Natürlich gibt es einzelne Personen, vor allem in sozialen Medien, die sich unqualifiziert äußern. Aber unser Fanclub unterstützt uns sehr gut, sogar auch auswärts. Leider können wir unsere Fans dafür nicht belohnen. Für alle ist diese Situation nicht einfach. Aber unsere Anhänger erkennen ganz genau, wer kämpft. Für diese Unterstützung bin ich all unseren Fans auch sehr dankbar. Kampflos dürfen wir uns nirgends unserem Schicksal ergeben.

Du bist in den sozialen Medien aktiv und interagierst mit den Fans. Seit wann machst du das und was sind die Gründe dafür?

Als ich nach Bayreuth kam, bekam ich viele Facebook-Freundschaftsanfragen. Da Facebook eine schöne Plattform für jedermann ist, habe ich eine Seite über den Sportler Phillipp Heyden erstellt. Hier tausche ich mich gern mit den Fans aus und versuche immer zeitnah zu antworten. Das ist für mich wichtig, denn auch die Fans wollen ernst genommen werden. Natürlich muss ich genau überlegen, was ich preisgebe und was nicht. Aber gerade bei kleineren Vereinen wie Tübingen oder damals Bayreuth ist es ein passendes Medium, um mit den Fans ein gutes Verhältnis aufzubauen.

Zum Schluss noch: Was macht Phillipp Heyden, wenn er die Basketballschuhe an den Nagel gehängt hat?

Physiotherapeut, eventuell in Verbindung mit einem Personal Coach. Gerade mit meinen Verletzungen habe ich viele Erfahrungen in diesem Bereich gesammelt, die ich dann weitergeben möchte. Dafür möchte ich die Ausbildung am Ende meiner aktiven Karriere beginnen. Bis dahin möchte ich aber noch ein paar Jahre erfolgreichen Basketball spielen.

Vielen Dank für das offene Interview!

 

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