Eigentlich ist er mit 28 Jahren im besten Basketballalter, doch irgendwie fühlt es sich an wie ein Neubeginn. Werfen wir aber zunächst einen Blick zurück: Bereits mit 20 Jahren stieg er mit dem BBC Bayreuth in die Erste Basketball Bundesliga auf, in der darauf folgenden Saison debütierte er als Center an der Seite von Jared Reiner in der höchsten deutschen Spielklasse. Es sollten auch noch Einsätze für Trier in der deutschen Eliteliga folgen, ehe er sich 2015 dem ambitionierten PRO A Ligisten Hamburg Towers anschloss. Doch bereits in seiner ersten Saison verletzte er sich so schwer, dass er seit März 2016 kein einziges Pflichtspiel mehr absolvierte. Jetzt ist er endlich zurück auf dem Feld – Stefan „Steps“ Schmidt, der gebürtige Oberpfälzer und in Nürnberg aufgewachsene Lockenkopf.

Der Hamburger Vertrauensbeweis

Steps, knapp 600 Tage warst du nun außer Gefecht durch einen Kreuzbandriss. Wie schwer waren die letzten eineinhalb Jahre für dich?

Als Sportler ist eine Verletzung immer ein herber Rückschlag. Glücklicherweise hatte ich ab dem ersten Tag des Ausfalls die volle Unterstützung meiner Hamburg Towers. Das ist für einen Spieler sehr wichtig, ein großer Vertrauensbeweis. Da die Verletzung gegen Ende der Saison war, hätten sie mich auch einfach fallen lassen können. Denn bei einem Kreuzbandriss trägt der Verein immer ein gewisses Risiko. Wann kommt der Spieler wieder zurück? Kommt er überhaupt wieder zurück? Bringt er wieder die gewünschte Leistung? Aber all diese Fragen hinderten weder unseren Trainer noch unseren sportlichen Leiter daran, mir die volle Rückendeckung zu geben. Sie sagten nur: Konzentriere dich auf deine Reha, den Rest regeln wir für dich. Und bis zum heutigen Tag hielt sich jeder an das Versprechen. Heutzutage ist das leider nicht immer selbstverständlich.




Wie verlief deine Reha dann genau?

Es war eine Berg- und Talfahrt. Ursprünglich wollte ich im November 2016 wieder fit sein. Anfangs lief alles nach Plan. Doch als ich wieder im Training war, riss ich mir den Meniskus. Es folgte eine Operation und ich musste erneut mit dem Aufbautraining beginnen. Mein Ziel war es ab Februar 2017 noch etwas Spielpraxis zu sammeln, um für die folgende Saison gut vorbereitet zu sein. Jedoch kamen immer wieder kleinere Sachen und Operationen dazwischen, so dass letztendlich im Sommer die Rückkehr geplant war. Ich wollte hart trainieren, um fit in die Vorbereitung zu starten. Soweit lief dann auch alles nach Plan.

Und dann begann die Vorbereitung auf die aktuelle Saison.

Genau. Und wie hätte es anders kommen sollen? Ich zog mir einen Muskelfaserriss im bereits operierten Bein zu. Ein kleiner Sprint im Training und schon passierte es! Und dieser Heilungsprozess dauerte etwas länger als gedacht. Seit Anfang Oktober fühle ich mich nun fit. Hoffentlich bleibe ich jetzt von Verletzungen verschont. Aber diese Reha war eine echt harte Zeit, viel länger als ursprünglich gedacht.

Steps, hast du die komplette Reha in Hamburg absolviert?

Zuerst war ich in Hamburg. Während der Sommerpause 2016 ging ich nach Nürnberg, um mich von meiner Familie gesund pflegen zu lassen. Ihre Unterstützung konnte ich hautnah spüren. Im Anschluss absolvierte ich das komplette Aufbauprogramm wieder in Hamburg. Und auch 2017 war ich im Sommer für einige Wochen in Nürnberg, um Freunde und Familie wieder zu treffen.

Steps is back

Hast du dein volles Leistungsniveau bereits wieder erreicht?

Die Faustregel lautet: Du brauchst genauso lange, um 100 Prozent zu erreichen, wie du verletzt warst. Von daher bin ich vom vollen Leistungsniveau noch sehr, sehr weit entfernt. Aber das Wichtigste ist für mich: Ich bin wieder gesund. Körperlich bin ich auf einem vernünftigen Level und auch relativ fit, so dass ich zumindest schon ein paar Minuten spielen kann. Coach Attarbashi und ich können das auch gut einschätzen und blicken hier Richtung Rückrunde. Dann kann und will ich der Mannschaft auch wieder helfen. Bis dahin heißt es: Trainingseinheiten und Spielpraxis sammeln. Denn der Körper muss sich erst wieder an den Trainings- und Spielbetrieb gewöhnen.

Steps ist wieder zurück

Stefan Schmidt ist wieder auf dem Spielfeld zurück (Foto: Hamburg Towers)

Steps, wann ist diese Saison demnach für dich eine erfolgreiche?

Das Wichtigste ist, dass ich verletzungsfrei durch diese Spielzeit komme. Aber es wäre vermessen zu sagen, 20 Minuten pro Spiel ist das Ziel. Das wäre auch der Mannschaft und den Hamburg Towers gegenüber nicht fair. Denn es lief auch sehr gut ohne mich. Der Erfolg der Mannschaft muss immer vor dem eigenen Erfolg stehen.

Was wäre ein Erfolg für die Towers?

Ziel ist ganz klar ein Platz unter den ersten Vier. Und Platz vier ist nicht so weit von einem Aufstiegsplatz entfernt. Aber der Aufstieg ist kein Muss, es wäre nur das „i-Tüpfelchen“.

Mit den Towers in die Bundesliga?

Würdest du den Schritt in die BBL nochmals wagen?

Der Anspruch eines jeden Sportlers muss es sein, auf höchstem Niveau spielen zu wollen. Von daher würde ich diesen Schritt natürlich machen.

Also lieber Back-up in der Bundesliga als 25 Minuten in der PRO A als Leistungsträger?

Wenn die Umgebungsbedingungen – also Trainer, Verein und Umfeld – passen, dann definitiv ja.

Apropos Umfeld: Ist dies bei den Hamburg Towers erstligareif?

Ich denke, dass es sich sehr gut entwickelt hat. Beispielhaft hierfür sind die Zuschauerzahlen. Hier haben wir eine kontinuierliche Steigerung zu verzeichnen. Inzwischen haben wir über 3.000 Zuschauer im Schnitt. Obwohl wir letzte Saison nicht den gewünschten Erfolg hatten, konnte man da positive Zahlen verzeichnen. Daran sieht man, dass Basketball in Hamburg eine Zukunft haben kann.




Steps, du bist bereits aufstiegserfahren. Was sind die entscheidenden Faktoren für einen Aufstieg?

Unabhängig vom vorhandenen Budget ist ein Aufstieg immer schwer zu planen. Erfolg ist nicht kaufbar. Beispielsweise war Crailsheim letzte Saison nach der Hauptrunde Zweiter und schied dann in den Playoffs gegen Gotha aus. Und Gotha stieg als Hauptrunden-Siebter auf.

Der Wille der Mannschaft muss also absolut vorhanden sein. Genauso Ehrgeiz und die richtige Arbeitseinstellung. Kleinigkeiten machen am Ende einen großen Unterschied. Man muss die komplette Saison hungrig darauf hin arbeiten.

Es bringt nichts, nur tolle Spieler zu verpflichten. Damit wird man auf die Schnauze fliegen. Die Mannschaft muss funktionieren und immer den Eindruck vermitteln, nie aufzugeben. Es muss von Spiel zu Spiel gedacht werden. Der Hunger und die Leidenschaft darf zu keiner Zeit verloren gehen.

PRO A ist kein Spaziergang

Bringt ihr in Hamburg diese Voraussetzungen nun alle mit?

Dafür ist die Saison noch etwas zu jung und anfangs war ich auch nicht so nah am Team dran. Aber von der Qualität der einzelnen Spieler sehe ich uns auf einem ganz guten Weg. Mit mir haben wir eine 11er-Rotation. Diese elf Spieler würden vermutlich bei anderen Mannschaften deutlich mehr Spielzeit bekommen. Aber es ordnet sich jeder unter und stellt seine Interessen hinten an. Wenn wir dies die ganze Saison beibehalten, ist sehr viel möglich. Die Voraussetzungen stimmen jedenfalls und der jetzige Erfolg bestätigt das.

Kurz noch zur PRO A: Ist die Liga in den letzten Jahren qualitativ besser geworden?

Auf jeden Fall. Es spielen inzwischen viele ehemalige Spieler der BBL in der PRO A. Das liegt nicht daran, dass sie in der BBL den Anschluss verlieren, sondern trotzdem in einer guten Liga spielen. Finanziell werden die Ausländerspots teilweise besser vergütet als in der Bundesliga. Aber auch die jungen Spieler sehen die Liga als Sprungbrett – bedingt durch die BBL, die kontinuierlich besser wird. Genauso werden die Hallen in der PRO A größer und moderner. Auch der verpflichtende Livestream zeugt von einem immer professioneller werdenden Umfeld.

Zum Schluss noch eine Frage: Wo siehst du Steps in zehn Jahren – also im Alter von 38 Jahren?

Sehr gute Frage (lacht). Da habe ich mir noch keine genauen Gedanken gemacht. Ich möchte keinesfalls den Kontakt zum Basketball verlieren. Allerdings bin ich in meiner Karriere immer zweigleisig gefahren. Ich habe inzwischen den Bachelor im Studiumgang „International Management“ in Ansbach gemacht. Aktuell bin ich im Masterstudiengang „General Management“. Also baue ich mir ein Standbein nach dem Profisport auf . Es ist nicht immer einfach, Sport und Studium unter einen Hut zu bekommen, aber es ist möglich.

Vielen Dank für das offene Gespräch und eine verletzungsfreie Saison!

zum Interview mit Johannes Lischka

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