Ein Jahr spielte Andreas Obst bei Obradoiro CAB in der spanischen ACB. Nun hat sich der Nationalspieler wieder einem deutschen Verein angeschlossen. Wir wollten wissen, wieso er sich für Ulm entschieden hat und wer sein persönlicher MVP bei der WM in China war.

Jaka Lakovič machte mir die Entscheidung leicht

Andreas, willkommen zurück in der BBL. Warum hast du dich für den Schritt zurück nach Deutschland entschieden?

Ich war davon überzeugt, dass ratiopharm ulm ein sehr guter Verein für mich ist. Ulm hat in den letzten Jahren hohe Standards in der Liga gesetzt und gibt mir zudem die Möglickeit, europäisch zu spielen. Außerdem hat es mich gereizt, unter Jaka Lakovič zu spielen. Sein Lebenslauf spricht für sich. Als ich wusste, dass er mich in seinem Team haben will, war der nächste Schritt klar.

Wie würdest du Jaka Lakovič beschreiben? Was zeichnet ihn aus?

Jaka ist ein sehr ruhiger Typ. Er weiß, was er will und bringt viel Erfahrung mit. Dies merkt man an seinem Coaching. Er hat eine natürliche Autorität. Das kommt gut bei uns gut an und das macht es ihm leicht, uns seine Basketball-Philisophie zu vermitteln.

Musst du dich eigentlich nach den zwei Jahren in der spanischen Liga wieder an den Spielstil in Deutschland gewöhnen?

Ein bisschen, ja. In der BBL ist das Spiel in den letzten Jahren physischer geworden. In Spanien ist der Basketball etwas anders veranlagt. Das unterscheidet sich allerdings etwas von Mannschaft zu Mannschaft. Aber ich habe ja auch schon eine Weile in der Bundesliga gespielt. Daher wusste ich, was auf mich zukommt.

In der ACB lernte ich viele kleine Dinge

Was nimmst mit aus der Zeit in Spanien mit?

Ich nehme viele kleine Details mit. Der Basketball-IQ, mit dem dort gespielt wird, ist schon beeindruckend. Jeder Spieler bringt eine Fähigkeit mit, mit der er dir wehtun kann. Ich versuche, diese Dinge so gut es geht in mein eigenes Spiel einzubringen und in der Bundesliga zu zeigen.

Andi Obst im Dress der Nationalmannschaft (Foto: imago images / kolbert-press)

Andi Obst im Dress der Nationalmannschaft (Foto: imago images / kolbert-press)

Du warst vor einigen Wochen mit der Nationalmannschaft bei der WM in China dabei. Wie waren deine Eindrücke von dem Turnier?

So ein Event erlebt man wohlmöglich nur einmal, von daher war es für mich eine große Ehre, dabei sein zu dürfen. Wenn man sieht, welche Mannschaften und Spieler da auflaufen und sich messen, dann ist das schon klasse.

Hattest du denn Gelegenheit, dir selbst ein paar Spiele anzuschauen?

Nein, die Spiele wurden ja alle in verschiedenen Orten ausgetragen. Nach unseren eigenen Spielen kamen gleich die nächsten Mannschaften. Und die Zeit, die ich frei hatte, habe ich dann gerne für mich genutzt.

Wer war dein persönlicher MVP bei der WM?

Puh, da gab es viele Spieler, die ich stark fand. In der spanischen Mannschaft gab es eine Menge guter Spieler. Facundo Campazzo war überragend, auch Luis Scola hat für sein Alter unfassbar gut gespielt. Evan Fournier hat mich mal wieder sehr beeindruckt. Im Spiel gegen unsere Mannschaft habe ich ihn hautnah erlebt. Das war schon eine Erfahrung wert. Bogdan Bogdanović muss man natürlich auch hervorheben. Der Mann ist ein „Killer“.

BBL, Pokal, EuroCup & Nationalmannschaft

Sprechen wir über die aktuelle Saison. Ihr habt eine sehr talentierte Mannschaft. Was ist in dieser Spielzeit möglich?

Aktuell haben wir noch ein paar Schwierigkeiten. Aber das ist völlig normal. Wir haben eine neue, zum Teil sehr junge Mannschaft und einen neuen Trainer. Einige Spieler müssen sich erst an die Liga gewöhnen. Ich bin auch noch nicht so lange dabei. Deswegen müssen wir uns alle noch ein bisschen finden. Im EuroCup möchten wir so weit kommen wie möglich und dann schauen wir mal, wo wir am Ende in der Tabelle stehen.

Wie würdest du denn deine Rolle im Ulmer Team beschreiben?

In erster Linie, dass ich meine Punkte mache, mich aber auch in der Verteidung gut für die Mannschaft einsetze. Ich soll auch den Ball viel bekommen und voran gehen.

Weltmeisterschaft, Bundesliga, EuroCup, Pokal – wie schaffst du es, dich bei so vielen Spielen zu motivieren?

Basketball ist mein Hobby und ich kann das machen, was ich will. Natürlich sind die vielen Spiele manchmal eine Belastung für Kopf und Körper. Gerade das Hin- und Herreisen und das Umdenken von Mannschaft zu Mannschaft strengen an. Ich bin durch die WM spät in die Vorbereitung für die neue Saison gekommen und hatte nur eine Woche Zeit bis die neue Saison losging. Aber das gehört einfach dazu. Insgesamt macht es mir Spaß, vor allem mit den Jungs ist es eine tolle Sache.

Andi, vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für die Saison (09.10.2019).

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