In der BBL dominiert er unter den Körben durch seine körperbetonte und erfahrene Spielweise. 2,11 Meter groß, Kurzhaarschnitt und ein bulliger Typ. Doch wenn man mit ihm spricht, könnte man es auch mit einem österreichischen Comedian zu tun haben. Er spielte bereits in Österreich, der Türkei, in Kroatien, in seinem Geburtsland Slowenien, in Polen, Tschechien und sogar in Kasachstan. Seine Frau lernte er dann schließlich in Russland kennen. Nach dieser langen Europa-Tournee könnte Rašid Mahalbašić nun in Oldenburg bei den EWE Baskets endlich am Ziel angekommen sein.

Der bosnische Österreicher

Rašid, im Sommer ist Slowenien Europameister geworden. Österreich war leider nicht in der Endrunde vertreten. Wie hast du den Erfolg miterlebt?

Ich war froh und zugleich stolz, dass mein Geburtsland gewonnen hat. Schließlich kenne ich alle Slowenen außer Anthony Randolph. Mit Gasper Vidmar spielte ich bei Fenerbahçe, mit Ziga Dimec in Laško und Klemen Prepelič kenne ich von klein auf. Zoran Dragić oder auch Edo Murić kenne ich auch ganz gut. Außerdem freut man sich immer ein bisschen mehr für einen Underdog.




Du bist Österreicher mit slowenisch-bosniakischen Wurzeln. Welchem Land fühlst du dich eigentlich zugehörig?

Wegen meiner Eltern und meiner Religion fühle ich eine Verbundenheit zu Bosnien. Aber ich würde sagen, dass ich Österreicher mit bosnischen Wurzeln bin.

Die Nationalmannschaft Österreichs spielt keine zufriedenstellende WM-Qualifikation. Wieso läuft es zur Zeit einfach nicht so rund?

Hier sind viele Faktoren dafür verantwortlich. Zuerst muss ich sagen, dass Österreich nie ein Basketballland war und werden wird. Hinzu kommt eine Stagnation der nationalen Bundesliga und der Nachwuchsförderung. Unsere Nationalmannschaft spielt seit fünf Jahren mit derselben Mannschaft und es gibt leider kein Licht am Horizont. Lediglich eine kleine Hoffnung gibt es für den österreichischen Basketball – man holt sich eine Gruppenphase bei einer EM nach Hause und entfacht dadurch Begeisterung für diese Sportart. Das könnte frühestens 2021 der Fall sein. Was danach passiert, interessiert mich erst einmal altersbedingt nicht.

Sprichst du mit den deutschen Nationalspielern in Oldenburg über diese Situation?

Natürlich tauscht man sich aus, aber wenn du Deutschland und Österreich beim Basketball vergleichst, dann vergleichst du Äpfel mit Birnen. Auch wenn es schon einige knappe Spiele zwischen uns gab, muss ich feststellen: Knapp vorbei ist auch daneben. Wir spielten lange Zeit gut, hätten den Sack öfters zumachen können und haben trotzdem verloren.

Rašid, gibt es da von den deutschen Spielern bei euch – zum Beispiel Karsten Tadda – auch einmal Sticheleien?

Nein, das würde er sich nicht trauen. Ich bin aufgrund meiner Größe nicht der Mensch, den man blöd ansprechen sollte (lacht).

Rašid Mahalbašić

Rašid Mahalbašić und Basketballherz-Redakteur Jens

Rašid – der Wandervogel

Wolltest du viel sehen in deiner Karriere oder war es nur Zufall, dass du mit 27 Jahren bereits so viel herumgekommen bist? Und wo hat es dir bisher am besten gefallen?

Bei jedem meiner bisherigen Vereine gab es bisher schöne Momente. Aber auf Platz eins steht Nischni Nowgorod, weil ich dort meine Frau kennen gelernt habe. Sevilla war privat eine wunderschöne Zeit, auch wenn es sportlich überhaupt nicht lief. Ich war auch in Astana (Kasachstan), diese Stadt haben noch nicht so viele Leute besucht.

Die Entscheidung im Sommer 2017 fiel dann auf die EWE Baskets.

Ich war lange genug in vielen Ländern unterwegs. Aber irgendwann wollte ich meiner Frau und mir den Kulturunterschied nicht mehr zumuten. Deutschland und Österreich sind komplett gleich. Der einzige Unterschied zwischen beiden Ländern ist, dass es in Österreich keine Pfandflaschen gibt. Und vielleicht noch ein, zwei Berge mehr. Allerdings muss ich auch kritisch anmerken, dass mich das regenerische Wetter hier in Oldenburg manchmal etwas aufregt (lacht). Ansonsten fühlen wir uns hier pudelwohl und ich habe genau das gefunden, was ich gesucht habe.

Wusstest du, dass du nach „Pauldingburg“ wechselst? Wie geht man als Neuzugang mit einer solchen Legende um? Widerspricht man einem solchen Spielern auch einmal?

Rickey Paulding ist ein sehr netter und liebevoller Mensch. Er ist ein vorbildlicher Kapitän. Viele sehen ihn als einen herausragenden Basketballer. Das mag zwar stimmen, aber zu allererst ist er ein überragender Mensch. Ich bin stolz, dass ich einen solchen Menschen kennen lernen darf. Er macht es den Neuzugängen einfach, man fühlt sich in seiner Umgebung sehr wohl. Zusätzlich hilft er dir noch und mit seinen drei Kindern ist er ein großer Familienmensch. Oldenburg wäre ohne Rickey Paulding nicht das Oldenburg, was es inzwischen ist.

Rašid – der Fels in der Brandung

Du bist mit 16 Punkten/Spiel eine tragende Säule im Oldenburger Spiel. In welchen Punkten kannst du dein Spiel trotzdem noch verbessern?

Ich kämpfe seit meinem Engagement in Spanien zunehmend mit der Geschwindigkeit des Spiels. Daran arbeite ich mit unserem Konditionstrainer, um längere Zeit auf dem Parkett zu stehen. Nachteilig ist dabei natürlich auch mein Gewicht, was mir aber bei der Arbeit unter dem Korb wiederum Vorteile verschafft. Natürlich muss ich auch meine Spielart etwas umstellen, da ich nun öfters gedoppelt werde. Daher muss mein Mitteldistanzwurf besser werden. Ansonsten gefällt mir die Oldenburger Spielweise, da sie sehr gut auf mich abgestimmt ist. Und wenn man mich an der Dreierlinie stehen lässt, dann treffe ich mit Glück auch mal hochprozentig wie in Bayreuth (lacht).




Weil du es gerade ansprichst – wird in Deutschland oder Spanien schneller gespielt als in anderen Ligen oder ist dies allgemein dem modernen Basketball geschuldet?

Ich glaube, es ist eine Kombination aus beidem. Gerade wenn ich auf meine Position schaue, muss ich feststellen, dass die Gegenspieler immer kleiner, leichter und athletischer werden. Wenn ich in ein paar Jahren aufhöre, werden alle Center nur noch 1,95m sein (schmunzelt).

Rašid, ihr spielt bisher eine durchwachsene Saison, kommt aber immer besser in Fahrt. Bist du mit dem internationalen Abschneiden zufrieden? Was lief beim Heimspiel gegen Ludwigsburg falsch?

Wir hätten in der Gruppe Zweiter werden müssen, dann wären wir Ludwigsburg aus dem Weg gegangen. Monaco ist eine gute Truppe, Murcia ist im hinteren Mittelfeld in Spanien und Karsiyaka steckt im Abstiegskampf. Wir hatten in der Gruppenphase einige Verletzungsprobleme und haben auch dadurch einige Spiele verloren. Was die deutschen Mannschaften aber in Summe in dieser Saison in der ChampionsLeague leisten, ist schon bemerkenswert.

Was wurde als Ziel des Vereins für den internationalen und nationalen Wettbewerb ausgegeben?

Mit dem Weiterkommen in die K.O.-Phase der ChampionsLeague haben wir unser internationales Ziel erreicht, wenngleich hier noch mehr möglich gewesen wäre. Und national wollen wir sicherer in die Playoffs kommen als letzte Saison.

Welchen Gegner würdest du in den Playoffs gerne vermeiden bzw. hast du einen Wunschgegner?

Ich würde gerne gegen Bayreuth oder Bonn spielen. Mit den Telekom Baskets haben wir noch eine offene Rechnung, da sie uns in der Hauptrunde zweimal besiegten. Aber nach der Hauptrunde werden die Karten neu gemischt und alles ist möglich. Wichtig wäre das Heimrecht in der ersten Runde, egal gegen welchen Gegner.

Erst kommt Rickey, dann kommt lange nichts

Gibt es bei euch eine Hierarchie innerhalb der Mannschaft? Unternehmt ihr auch außerhalb der Halle einmal etwas zusammen?

Wir haben eine absolut intakte Teamchemie. Wir verstehen uns gut miteinander und unternehmen auch gelegentlich etwas gemeinsam. Das ist allerdings nicht immer so einfach, weil die meisten von uns Familie haben. Aber meine Frau und ich gehen beispielsweise öfters mit Maxime De Zeeuw oder Karsten Tadda essen. Die Hierarchie ist klar verankert – Rickey Paulding ist der Führungsspieler. Beim Rest der Spieler gibt es keinen Unterschied. Jeder ordnet sich unter.

Wie laufen die Vertragsgespräche mit den Baskets bzgl. nächster Saison? Weißt du, wie der Stand bei deinen Mitspielern ist?

Ich bin mir sicher, dass Karsten Tadda, Rickey Paulding und Frantz Massenat noch Vertrag haben, bei den anderen Teamkollegen kann ich es nicht genau sagen. Meiner Frau und mir gefällt es in Oldenburg sehr gut, deshalb hoffe ich, dass ich auch nächste Saison hier spielen werde  und wir unsere Zelte hier nicht abbrechen müssen.




Hat Rašid Mahalbašić noch einen Traum, den er sich in seiner Basketballkarriere erfüllen möchte?

Ja, ich würde gerne einmal für Olimpia Milano auflaufen. Nicht zwingend wegen dem Basketball, sondern eher wegen der Stadt. In Mailand zu leben, wäre ein Traum für mich.

Was gefällt dir an deiner neuen Heimat besonders? Was sind deine Lieblingsplätze?

Puh, da erwischst du mich auf dem falschen Fuß. Es ist hier nicht so einfach, da wir meistens sonntags frei haben. Und bekanntermaßen hat an einem Sonntag hier fast alles geschlossen. Deswegen fahren wir öfters nach Groningen (Niederlande), dort haben alle Geschäfte geöffnet.

Und was möchtest du euren Fans mit auf den Weg geben?

Unterstützt uns wie bisher! Wir müssen als Mannschaft – dazu zähle ich Geschäftsstelle, Trainer, Spieler und Fans – noch mehr zusammenwachsen und mit erhobenen Haupt in die Playoffs marschieren. Dann werden wir diese Saison noch viel Freude miteinander haben.

Vielen Dank für das unterhaltsame Interview.

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