Seine Fans nennen ihn einfach nur liebevoll den „Warrior“. Mit seiner emotionalen Art hat sich Christian Sengfelder schnell in die Herzen der Braunschweiger Zuschauer gespielt. Doch nicht nur das, seine sehr guten Auftritte im Dress der Löwen brachten ihm gleich in seiner ersten BBL-Saison eine Nominierung für deutsche Nationalmannschaft ein. Basketballherz sprach mit dem sympathischen Rheinländer über sein Debüt als Profi und die Rolle als Underdog.

Mit Herz zum Erfolg

Erst einmal noch Glückwunsch zum Einzug in die Playoffs! Deine beste Leistung hast du dir ja für die letzten zwei Spiele gegen Frankfurt und Bayreuth aufgehoben, in denen du 46 Punkte und 13 Rebounds sammeln konntest. Wie hast du selbst das vergangene Wochenende erlebt? 

Das war sehr aufregend. Wir wussten, dass unsere Chancen nicht ganz so gut stehen, da mit Ludwigsburg und Würzburg zwei Teams verlieren mussten. Gleichzeitig wollten wir uns aber auf jeden Fall erfolgreich von unseren Fans verabschieden, welche uns die Saison über phänomenal unterstützt haben. Dass es am Ende wirklich geklappt hat, ist natürlich umso schöner.

Für die Löwen bedeutet das die erste Playoff-Teilnahme seit 2011/12. Neben Rasta Vechta wart ihr dieses Jahr das Überraschungsteam schlechthin. Was zeichnet euer Team aus?

Ich glaube, wir haben unheimlich viel Herz und Glauben an uns selber. Es geht auch weniger darum, wer Topscorer ist und die besten Stats aufweist. Wir spielen einfach füreinander, das hat zu einer inneren Geschlossenheit geführt. Zudem verstehen wir uns auch sehr gut außerhalb der Halle. Das ist gewiss ein Vorteil, wenn es mal hart auf hart kommt.

Mit 0-5 seit ihr eigentlich nicht gut gestartet und musstet darüber hinaus den Ausfall von Scott Eatherton zeitweise kompensieren. An welchem Punkt hast du gemerkt, dass die Spielzeit dennoch sehr erfolgreich werden kann? 

Nach unserer ersten kleinen Siegesserie, wo wir auch Berlin geschlagen haben. Da habe ich gedacht, wir können ja wirklich „zocken“ und auch gegen die Großen mithalten. Danach galt es, an diese gute Phase anzuknüpfen und weiter an uns zu glauben.

Vom College in die Starting Five der Löwen

Du selbst bist tatsächlich bei allen 34 Hauptrundenspielen als Starter aufgelaufen und hattest großen Anteil am Erfolg. Hast du gleich im ersten Jahr mit so einer tragenden Rolle gerechnet? 

Nein, das habe ich mir nicht wirklich erträumen können. Frank (Menz) hat mir zwar viele Minuten zugesichert, doch wurden letzten Endes meine Erwartungen übertroffen.

Christian und seine Basketball Löwen Braunschweig können stolz auf das Erreichte sein (Foto: Florian Kleinschmidt)

Mit 19 Jahren bist du in die USA, hast zuvor in Ehingen und Leverkusen gespielt. Was hat dich zu diesem Schritt bewegt?

Da gab es zwei Hauptgründe: Erstens wollte ich meine akademische Laufbahn fortsetzen, um später mal einen Plan B zu haben. Das war wichtig für mich, falls es sportlich mit dem Basketball schiefläuft. Da kann immer einmal etwas passieren. Zudem kann man parallel dazu weiter auf hohem sportlichem Niveau spielen. Beides habe ich nun erfolgreich abgeschlossen. Zweitens wollte ich dieses Format College-Basketball live erleben. Der Hype um zukünftige Stars, Reporter an der Uni und vor zehntausenden Zuschauern spielen – diese Erfahrung machst du nirgendwo sonst auf der Welt.

Gab es in dieser Zeit ein persönliches Highlight für dich?

Klar, zum Beispiel haben wir mal in NBA-Hallen wie dem Madison Square Garden gespielt. Aber auch das Spiel gegen Nevada, das wir vor 12.000 Leuten leider knapp verloren haben, ist mir noch im Kopf. Einfach eines der geilsten Spiele, das war unbeschreiblich!

Alle träumen irgendwie von der NBA. Ist das auch für dich ein Zukunftstraum?

Ich versuche, sehr realistisch zu bleiben: Für die NBA bin ich nicht der richtige Spielertyp, da fehlt es mir an Athletik und ein paar körperlichen Voraussetzungen, wie zum Beispiel längeren Armen.

War es also klar für dich, nach dem College nach Deutschland zurückzukehren?

Das war auf jeden Fall mein Plan – auch, weil in der BBL gute Deutsche natürlich sehr gefragt sind.

Hört sich so an, als hättest du mehrere Angebote gehabt. Was hat für Braunschweig den Ausschlag gegeben?

So viele Angebote gab es gar nicht. Frank kannte ich noch von der U20 – er hat sich auch relativ schnell bei mir gemeldet. Mein Ziel war es, viel Spielzeit zu bekommen und diese hat er mir zugesichert. So habe ich die Löwen als meinen nächsten wichtigen Schritt gesehen.

Danilo Barthel macht es vor

Und was hast du dir von deinem ersten Profijahr erwartet?

Also wenn ich ganz ehrlich bin, hatte ich nicht wirklich irgendwelche Erwartungen. Ich konnte das Level vorher schwer einschätzen. Das letzte mal hier habe ich vor fünf Jahren in der ProA gespielt, und selbst da hatte ich am Anfang Schwierigkeiten. Erst am Ende hatte ich mich unter Ralph Junge in die Rotation gekämpft.

Gab es denn dann einen Spieler in der BBL, der dich besonders beeindruckt hat oder von dem du dir etwas angeschaut hast?

Auf der Vier war es für mich persönlich schwer, gegen Kelan Martin von Ludwigsburg zu verteidigen. Ein sehr kompakter Spieler, der sowohl werfen als auch zum Korb ziehen kann. Abgeguckt habe ich mir viel von Danilo Barthel – dem wahrscheinlich besten Deutschen in der BBL.

Hast du denn sportliche Vorbilder, sei es in Deutschland oder auch in der NBA?

In der BBL versuche ich so zu spielen, wie Danilo es macht: Auf dem höchsten Niveau einfach „winning basketball“ spielen.

Du selbst darfst dich aber auch nicht zu klein reden: Du holst viele Rebounds, bewegst dich gut, kannst zum Korb ziehen und verfügst außerdem über einen soliden Dreipunktewurf. In welche Richtung würdest du dein Spiel am liebsten hinentwickeln?

Auf jeden Fall muss meine Defense besser werden, sowohl beim Pick n‘ Roll als auch beim Low-Post. Zudem muss ich in der Offense beim Pick n‘ Roll noch besser den freien Mitspieler finden.

Trotz diesen vermeintlichen Schwächen bist du schon auf dem Radar von Henrik Rödl. Anfang des Jahres wurdest du von ihm in die A-Nationalmannschaft berufen. Wie war das für dich?

Da ist ein kleiner Traum für mich wahr geworden. Zwar habe ich den Adler bereits schon in der U18 und U20 auf der Brust getragen, das jetzt ist aber schon noch einmal ein anderes Gefühl – Gänsehaut!

Somit liest sich dein Rookie-Jahr wie eine einzige Erfolgsgeschichte: Starting Five, Playoffs und Nationalmannschaft. Was hilft dir, dennoch weiter auf dem Boden zu bleiben?

Im Endeffekt kann ich mir von diesen Sachen noch nichts kaufen. Ich fokussiere mich darauf, besser zu werden. Sich jetzt auf dem Erreichten auszuruhen, wäre sicherlich der falsche Weg.

Wie man die Bayern (doch) schlagen kann

Stichwort Playoffs – jetzt warten ja die Bayern auf euch. Ihr geht als klarer Außenseiter in das Duell. Wie geht ihr an so eine Serie jetzt ran?

Wir wissen, dass München das absolute Topteam ist. Vor allem zu Hause sind sie eine Macht. Doch fühlen wir uns in der Rolle des Underdogs ganz wohl – wie eigentlich auch schon die ganze Saison über. Dann versuchen wir, vielleicht ein kleines Wunder zu erreichen.

Gibt es denn in etwa irgendeine Stelle, an der ihr München weh tun könnt?

Wir werden hartnäckig und intensiv spielen, besonders in der Defensive. Das hat uns bis jetzt ausgezeichnet und Erfolg gebracht. Zudem kann uns unsere Geschlossenheit in die Karten spielen.

Weg vom Basketball – wie verbringt ein Christian Sengfelder seine Zeit abseits des Parketts? Wozu wirst du auch in der Offseason mehr kommen?

Ich habe mir vorgenommen sehr viel zu lesen – besonders in den Bereichen Gesundheit und Ernährung. Ansonsten spiele ich ab und zu etwas Klavier, das ist in letzter Zeit wieder sehr rostig geworden. Und dann werde ich auch viel trainieren, um hoffentlich mit der A2 Nationalmannschaft bei der Universade teilzunehmen.

Vielen Dank für das Interview. (17.05.2019)

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